Event Rezzo Schlauch wird 70: „Man muss auch Kröten schlucken“

Feiert am Freitag seinen 70.: Rezzo Schlauch
Feiert am Freitag seinen 70.: Rezzo Schlauch © Foto: Ufuk Arslan
Raimund Weible 05.10.2017
Politik-Aussteiger Rezzo Schlauch feiert in Bad Cannstatt seinen 70. Geburtstag – mit 400 Gästen aus allen Polit-Lagern. Tipps für „Jamaika“ hat Schlauch auch.

Erwartet werden 400 Gäste, angekündigt haben sich Prominente wie Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) und EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU), aber natürlich auch viele grüne Spitzenleute. Den 70. Geburtstag daheim im Kämmerlein zu feiern, ist nicht die Sache der „Rampensau“ Rezzo Schlauch. Und so verbringt der  begnadete Netzwerker den Freitagabend mit vielen Wegbegleitern in der Bad Cannstatter Kulturinsel.

Der Urgrüne ist schon 2005 aus der Politik  ausgestiegen, doch es ist deswegen nicht still geworden um den Mann aus Gerabronn. Das würde seinem Temperament widersprechen.  Er ist immer noch ein begehrter Interviewpartner – weil er Klartext redet und sich was traut. „Ich kann mich nach wie vor tierisch aufregen“, bekennt der Jurist, der es bis zum Parlamentarischen Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium gebracht hat.

Eine Jamaika-Koalition ist keine Traumvorstellung von Schlauch. Aber seinen Freunden in Berlin ruft er zu, dass es töricht wäre, das, was sich in Koalitionsverhandlungen an Möglichkeiten bietet, nicht am Schopf zu packen. „Wichtige Grundsätze darfst du nicht aufgeben. Es gibt immer rote Linien“, sagt er einerseits. Und andererseits: „Du musst auch Kröten schlucken.“ Und vor allem: „Keine Angst vor der Macht!“ So heißt der Titel des Buchs, das er zusammen mit Reinhold Weber geschrieben hat.

Ob es ihn reizen würde, in Berlin einzugreifen? Er mit seiner Fähigkeit, auch mit einem CSU-Mann der schwärzeren Sorte ein zivilisiertes Gespräch zu führen? Nein, eine Rückkehr in die Politik schließt Schlauch aus. Er fühle sich wohl in seinem dritten Lebensabschnitt als Wirtschaftsberater. Er hat sich in vielen Gremien eingenistet, in den Deutschen Milchkontor etwa, oder in den Beirat des Münchner Beraternetzes Deloitte & Touche, dessen Vorsitzender Edmund Stoiber ist.

Schlauch ist bekannt für seine Offenheit gegenüber Leuten, die politisch anders ticken als er. „Es ist immer spannender, sich mit Andersdenkenden auseinanderzusetzen, als im eigenen Saft zu schmoren“, lautet das Credo des 70-Jährigen.“