Ehrung Reinhold-Maier-Medaille: Liberale ehren die Neue Zürcher Zeitung

Bettina Wieselmann 12.12.2016

Seit Beginn 1989 waren es immer Persönlichkeiten, die sich „in besonderer Weise um den Liberalismus und den Wert der Freiheit verdient gemacht haben“, die mit der Reinhold-Maier-Medaille ausgezeichnet wurden: darunter Politiker, vornehmlich solche mit FDP-Parteibuch, aber auch Publizisten, wie die einstige  Zeit-Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff oder der frühere Chefredakteur der SÜDWEST PRESSE, Ulrich Wildermuth. Mit der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) erhielt am Samstag erstmals eine Institution die Ehrung. Mit der Medaille wird an den ersten baden-württembergischen Ministerpräsidenten Reinhold Maier erinnert.

Ludwig Theodor Heuss, Enkel des ersten Bundespräsidenten und in Zürich arbeitender Chef­arzt, würdigte die seit 1780 erscheinende NZZ, die zu den Leitmedien im gesamten deutschsprachigen Raum zählt: Keine andere Zeitung bekenne sich so klar „zum Liberalismus als formender Idee ganzer Freiheit überall“, wie dieser „Fixstern der Freiheit“. Eine Anzeige wie derzeit in eigener Sache: „Wir denken nicht rechts oder links, sondern liberal“, sei einzigartig. Heuss hob den „scharfen, wohltuend unabhängigen Blick“ des Blattes hervor, sein „legendäres Korrespondentennetz“, die „breite Verwurzelung im liberal gesinnten Bürgertum.“

2500 Eigentümer

Die  NZZ gehört rund 2500 Aktionären,  der Aktienbesitz ist auf ein Prozent begrenzt ist. Nur natürliche Einzelpersonen mit Schweizer Pass und gern gesehener Mitgliedschaft bei der eidgenössischen FDP können Anteile erwerben. Heuss: „Dem Liberalismus ist man über das liberale Mitglied verpflichtet.“

NZZ-Chefredakteur Eric Gujer – „wir halten uns für einen durchaus passenden Preisträger“ – ist erst der vierte Chefredakteur seit den 30er Jahren. Eine Parteizeitung, sagt er, sei die NZZ heute nicht mehr, auch sei es nicht mehr Usus, dass Redakteure als Freisinnige Demokraten gleichzeitig als Parlamentarier wirkten: „Diese Synergieeffekte passen nicht mehr in die Zeit.“ Aber die NZZ sei eine Zeitung, „die Partei für die liberale Sache ergreift“, das heiße: „kein Mainstream, sondern klare Kante.“ Damit verzeichne die NZZ, die nur zahlende Kunden zählt, wachsenden Zuspruch.

Gujer, der lange Korrespondent in Deutschland war, warnte vor dem inflationären Gebrauch der „Worthülse“ Populismus, mit der alles abqualifiziert werde, was nicht ins eigene Weltbild passe. Besser sei es, wenn Demokraten selbstbewusst die Demokratie verteidigten, die insgesamt „vernünftige Resultate“ hervorbringe, sagte Gujer. Bettina Wieselmann