Prozess Rechtspfleger soll 92-Jährige um Vermögen gebracht haben

Konstanz / Eva Maria Vaassen 11.01.2017

Seit Dienstag muss sich ein ehemaliger Rechtspfleger wegen Untreue und schweren Betrugs vor dem Amtsgericht Konstanz verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 62-Jährigen vor,  2010 als zuständiger Rechtspfleger für das Betreuungswesen eine 96-Jährige um ihr gesamtes Vermögen in Höhe von 137 000 Euro gebracht zu haben. Inzwischen ist der Mann, der sich einem so schweren Vorwurf ausgesetzt sieht, Verwaltungsleiter in einem Amtsgericht.

Bereits Ende 2001 hatte die Seniorin ihn in seinem früheren Amt als Rechtspfleger in Radolfzell aufgesucht, um die Einsetzung eines Betreuers in die Wege zu leiten. Der Mann soll sich ihr gegenüber selbst als Betreuer ausgegeben haben. Im Laufe der Jahre sei es ihm gelungen, Vollmacht über alle Konten der Seniorin zu bekommen. Zudem habe er sich von ihr als Testamentsvollstrecker einsetzen lassen. 2010 soll er der betagten Frau angetragen haben, zwei Eigentumswohnungen zu erwerben, die in Wirklichkeit in seinem Besitz waren. Die alte Dame stimmte zu. Einen Kaufvertrag habe es nie gegeben. In der Folgezeit soll sich der Angeklagte von ihren Konten insgesamt 137.000 Euro auf sein Konto überwiesen haben. Der Seniorin gaukelte er vor, sie sei nun Eigentümerin der Wohnungen.

Zum Prozessauftakt versuchte der Angeklagte abzuwiegeln. Das Gericht riet ihm angesichts der erdrückenden Beweislage zu einem Geständnis.