Silvester Raketen setzen viel Feinstaub frei

Raketen sorgen für viel Feinstaub.
Raketen sorgen für viel Feinstaub. © Foto: dpa
Caroline Holowiecki 30.12.2017
Feuerwerke verschmutzen die Luft. Bürger fordern in Stuttgart deshalb ein Verbot. Die Stadt winkt ab.

Die Zahlen der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) lassen keinen Zweifel dran: Silvesterböller sind schlecht fürs Stadtklima. So lag der Feinstaub-Tagesmittelwert am ersten Tag dieses Jahres am Stuttgarter Stadtgarten bei 202 Mikrogramm, in der Hohenheimer Straße sogar bei 254 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft – erlaubt sind 50.

Ein Bericht des Umweltbundesamtes von Ende 2015 spricht von rund 4000 Tonnen Feinstaub, die jährlich durchs Abbrennen von Feuerwerkskörpern in Deutschland freigesetzt werden. „Das entspräche etwa 15 Prozent der jährlich durch den Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge“, so Tatjana Erkert, Sprecherin der LUBW. Außerdem entstünden bei diesen Verbrennungsprozessen ultrafeine Partikel, die leichter in die Lunge und von dort ins Blut gelangten und Krankheiten auslösen könnten.

Nicht zuletzt deswegen werden immer wieder Rufe nach einem Böllerverbot laut. Der BUND-Regionalverband etwa regte bereits vor einem Jahr an, in der Stuttgarter Innenstadt das Abbrennen von privaten Raketen zu verbieten und stattdessen ein zentrales Spektakel zu veranstalten. Die AfD-Landtagsfraktion forderte ebenfalls schon Ende 2016, Knaller aus der Stadt zu verbannen. 

Jeder steht in der Verantwortung

Die Stadt Stuttgart hat sich mit der Thematik auseinandergesetzt – und einem Verbot eine Absage erteilt. Laut dem Ordnungsbürgermeister Martin Schairer ermögliche das Sprengstoffrecht zwar ein Verbot zum Lärm- und Brandschutz vor – in den historischen Stadtkernen in Villingen-Schwenningen, Rottweil, Tübingen und Esslingen etwa ist privates Feuerwerk aus Gründen des Brandschutzes verboten. Zum Schutz der Gesundheit aber sehen weder das Sprengstoffrecht noch das Immissionsschutzrecht ein Verbot vor, sagt Schairer. Letztlich stehe jeder in der Verantwortung, etwas zur Senkung der Luftbelastung beizutragen.

Einige Bürger haben das bereits in die Hand genommen. Die Initiative „Stuttgart holt Luft“ hat beim Bürgerhaushalt  für ein zentrales Feuerwerk in jedem ­Stadtteil geworben und war mit der Idee auf Platz 126 gelandet. Ende 2016 hatte überdies eine ­Privatgruppe in Sillenbuch auf den „umweltschädlichsten Tag im Jahr“ aufmerksam gemacht und mit Handzetteln auf den Fein­staub, auf  Kinderarbeit in der Böller-Produktion, die Torturen für Tiere, den Müll und giftige Kleinstteile im Boden hingewiesen. Auch in diesem Jahr will die Gruppe wieder informieren.