Kreis Esslingen Radiosender bezahlt Beerdigung

Die Morgenmoderatoren von der neuen 107.7: Dominika Jaschek und Christian Krack.
Die Morgenmoderatoren von der neuen 107.7: Dominika Jaschek und Christian Krack. © Foto: Die neue 107.7
Kreis Esslingen / Roland Müller 04.02.2016
Ich höre ihn lachen. Der Satz sei an dieser Stelle vorausgeschickt, denn: In dieser Geschichte geht es um einen Toten.

Es geht um Gerhard N. aus dem Kreis Esslingen, für dessen Beerdigung ein Bestattungsinstitut vor zwei Jahren exakt 3110 Euro und 27 Cent berechnete. Und wenn man seiner Frau Edith glauben mag, hat Gerhard sich am Donnerstag beim Radiohören im Jenseits köstlich amüsiert.

Wie es dazu kam? Beim Stuttgarter Lokalradio „Die neue 107.7“ gibt es seit knapp zwei Wochen eine Aktion: Hörer können ihre Rechnungen einreichen, jeden Morgen zieht ein Moderatoren-Duo dann eine davon „aus einem großen schwarzen Eimer“, wie Tobias Hena, Sprecher des Senders, das Prozedere unverblümt beschreibt. Die Rechnung bezahlt dann der Sender.

Die Resonanz ist recht groß, das Gefäß wird immer voller. „Pro Tag kommen bei uns etwa 100 neue Rechnungen an.“ Die saftige Autoreparatur, das ersehnte paar Skier, die teuren Dienste des Scheidungsanwalts, eine Sterilisation – es war schon so einiges mitten aus dem Leben Gegriffene dabei, seit die Aktion über den Äther geht.

Doch am Donnerstag um 7.07 Uhr blieb den Moderatoren Dominika Jaschek und Christian Krack dann doch etwas die Spucke weg, als sie die Rechnung des Bestattungsinstitus aus dem tiefen schwarzen Eimer des Lebens fischten. „Is jetzt hart“, sagte Krack. „Würd ich jetzt vielleicht nicht ans Radio schicken.“ Doch Hörerin Edith N., die sich wenig später beim Sender meldete, sieht das anders: Schließlich sei ihr Mann ein großer Fan des Rock-Senders gewesen. Wegen seines skurrilen Humors hätte er die Idee „unheimlich schräg und witzig gefunden“, sagte sie, und dass er sich quasi gerade im Jenseits kringeln würde über ihren Coup. Womit wir wieder am Anfang wären. Dass der Sender die Rechnung bezahle, sei keine Frage, sagt Hena. „Wir wollten Leuten bei Problemen helfen und keine Einschränkung machen.“ Wie lange die Aktion angesichts der Kreativität der Hörer noch läuft, ist, wohl aus Budgetgründen, offen. Derzeit kann man noch einreichen. Es muss ja nicht immer eine Beerdigung sein. Indes: Auch Kostenvoranschläge sind erlaubt.