Die Hoffnung auf einen Retter nach zwei Insolvenzen war sehr gering. Aber noch vor acht Wochen wurde "nicht gänzlich ausgeschlossen, dass es weitergehen könnte". Jetzt steht freilich fest, dass die Porzellanmanufaktur Ludwigsburg zum Jahresende aufgeben muss. Am 31. Dezember, bestätigte Volker Kugel für die Inhaber der Markenrechte, werde "der Schlüssel für immer umgedreht". Der Insolvenzverwalter hatte seit März 2014 nach potenten Käufern für den Betrieb gesucht. Es hat dem Vernehmen nach Interessenten gegeben, aber niemand wollte oder konnte auf die Bedingungen der Ludwigsburger eingehen.

"Verramscht wird nichts", hatte Kugel - er ist auch Chef des Blühenden Barocks - als Marschrichtung ausgegeben. Deshalb wurden jene "Retter" abgewiesen, die nur das für Ludwigsburg typische Schuppenmuster aus dem Jahr 1765 übernehmen wollten, ohne die Manufaktur selber weiterzuführen. Kugel hatte von einer "knallharten Linie" gesprochen: "Wir werden unsere Prinzipien nicht aufweichen lassen." Eine industrielle Fertigung der Rohware wurde entschieden abgelehnt. Zugeständnisse an den hohen Qualitätsstandard durfte es nicht geben, weil sonst die potenziellen Kunden getäuscht würden.

Die Hüter der Marke fühlten sich der Tradition verpflichtet. Von jeher war jedes Stück ein handgefertigtes Unikat. Ludwigsburg sollte stehen für gehobenen Lebensstil, Käufer erhofften sich "ein Kulturgut von steigendem Wert". Daran dürften auch jene Staatsgeäste Gefallen gefunden haben, die vom Land mit Ludwigsburger Porzellan beschenkt worden sind.

Aber das Ende hatte sich schon abgezeichnet, als der Betrieb 2008 nicht mehr zahlungsfähig war. Ungereimtheiten um defekte Öfen und verschwundene Formen verschlimmerten die Situation. Schon seit 2010 wird die Weißware nicht mehr in Ludwigsburg, sondern in Thüringen produziert. Standen vor sieben Jahren noch über 20 Namen auf der Lohnliste, sind es zuletzt nur noch sechs: Zwei Porzellanmaler, drei Verkäuferinnen, eine Reinigungskraft.

Die frühere Produktionsstätte will Kugel für die Überwinterung von Vögeln nutzen. Der Laden im Schloss soll in eine Vinothek verwandelt werden. Aber insgeheim scheinen sich Kugel und der Ludwigsburger Oberbürgermeister Werner Spec an einen Strohhalm zu klammern. Der Betrieb könne "jederzeit wieder aufgenommen" werden, sagte Kugel, die Formen würden deshalb auch "sicher eingelagert". OB Spec geht offenbar nicht davon aus, dass die Manufaktur "auf ewig geschlossen" bleibt. Er denkt dabei auch an die sehr wechselhafte Geschichte.

Wer sich und seine Tafel mit edlen Stücken aus "weißem Gold" eindecken möchte, hat dazu noch zwei Monate Gelegenheit. Die letzten Tassen, Teller, Vasen, Figuren, Kerzenständer werden auch mit Blick auf Weihnachten feilgeboten.

Auf und Ab

Geschichte Ein verspiegeltes Doppel-C und die Krone Württembergs weisen auf Herzog Carl Eugen als Gründer der "Porcelaine-Fabrique" 1758 in Ludwigsburg hin. König Wilhelm I. stellte die Produktion 1824 ein, der zweite Anlauf 1919 ist bereits 1925 zu Ende, erst ab 1947 war eine Neugründung erfolgreich. Zu den wechselnden Besitzern gehörten das Land, die Städte Stuttgart und Ludwigsburg sowie der Unternehmer Berthold Leibinger.