Service Polizei nimmt Spezialfahrzeug zur Einbruchsprävention in Betrieb

Hans Georg Frank 26.11.2016

Bernd Worscheck (54) hat seine Doppelhaushälfte schon gut gewappnet gegen Einbrecher. Der Maschinenbau-Ingenieur aus Pfedelbach (Hohenlohekreis) hat zehn LED-Strahler im Wert von 500 Euro um das Gebäude postiert. Sobald sich ein unerwünschter Besucher nähert, bleibt auf dem Grundstück keine Ecke unbeleuchtet. Worscheck, ein Franke aus Erlangen, vertraut auch seinen „bratwurstgesteuerten Alarmanlagen“, wie er seinen Golden Retriever und einen Hovawart nennt. Im Notfall könnte er selber zupacken, ist er doch geübt im Kampfsport Taekwondo: „Ich würde mich wehren.“

Doch all dies genügt dem Hausbesitzer nicht. Weil in der Nachbarschaft mehrfach eingebrochen wurde, nutzt er ein Angebot der Polizei. In Öhringen steht jenes fast noch neue Fahrzeug, das die Polizeipräsidien für ihre Präventionsarbeit anfordern können. Für 260.000 Euro hat das Innenministerium dieses Verhütungsvehikel beschafft, ausgerüstet mit erprobter Sicherheitstechnik.

Die intensive, individuelle Beratung ist ein wesentliches Element im Kampf gegen Einbrecher. Deren kriminelles Treiben bezeichnet Innenminister Thomas Strobl (CDU) als „perfiden Angriff auf die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger“.

Seit 1978 reisen speziell geschulte Polizisten mit einem Sondermobil durchs Land. 23 Jahre lang war das IFZ (amtliches Kürzel für Informationsfahrzeug) unterwegs, ehe es im April 2001 von einem neuen Sattelschlepper abgelöst worden ist. An jährlich gut 150 Tagen ist er im Einsatz, oft bei Großveranstaltungen wie Volksfesten, Messen, Pferdemärkten.

Dieses IFZ hat den Nachteil, dass der Fahrer einen Lkw-Führerschein braucht. Das flottere Nachfolgemodell dagegen lässt sich mit der alten Klasse 3 lenken. Der Mercedes-Sprinter mit Auflieger sei kleiner, flexibler, wirtschaftlicher, erklärt Andreas Mayer vom Landeskriminalamt.

„Unverschlossene Haustür, gekipptes Fenster, das sind die Klassiker“, berichtet der Öhringer Polizeihauptmeister Thomas Handel (49), „immer noch sehr viele Leute gehen damit relativ locker um.“ Die Vorsorge, die Bernd Worscheck getroffen hat, ist ungewöhnlich. Gleichwohl sieht Handel auch dort Möglichkeiten der Aufrüstung, Fenster mit Sicherheitsglas und stabileren Scharnieren etwa.

Die von Worscheck favorisierte Alarmanlage mit Funküberwachung überzeugt den Experten Handel nicht ganz. Entschlossene Täter gingen trotzdem ins Haus: „Da täuscht man sich.“ Viele Nachbarn reagierten nicht, weil sie einen Fehlalarm vermuteten.

Was der Polizist mit Worscheck bespricht, interessiert die anderen Besucher auch. Jede Anregung scheint hilfreich zu sein. Sie erfahren, dass ein Einbruch in der Regel drei bis fünf Minuten dauert, dass 50 Prozent der Täter „oft ganz bequem“ über die Terrassentür eindringen.

Vielfach seien Haustüren ex­trem stabil ausgelegt, doch Nebeneingänge vernachlässigt. Ein weithin sichtbares Gitter am Fenster signalisiere potenziellen Beutegreifern, dass sie das Haus nicht einfach ausräumen könnten.

„Wenn man nicht selber betroffen ist, fühlt man sich relativ sicher“, sagt Jürgen Kober vom Weißen Ring. Die Opferschutzorganisation hat auch einen Platz im IFZ. Kober (66) hat beobachtet, dass auch die Meldungen über steigende Einbruchzahlen viele Bürger nicht zum Umdenken anregen: „Sie sind noch zu bequem, erst wenn in der Nachbarschaft etwas passiert, wird man sensibilisiert.“ Kober weiß aus seiner eigenen Familie, welche psychischen Folgen ein Einbruch für die Opfer hat: „Sie sind so schwer traumatisiert, dass sie psychologische Beratung brauchen, aber die Experten sind überlastet.“

Worscheck ist angetan von der Beratung: „Sehr gut, sehr kompetent, kann ich nur empfehlen.“ Er lässt seine Immobilie noch von einem Polizisten inspizieren. „Wir gucken das Haus in Ruhe an, da finden wir bestimmt Schwachstellen“, hat Handel versprochen. Wartezeit zwei bis drei Wochen. Der Service ist kostenlos.

Die wichtigsten Tipps

Abschließen ist laut Polizei immer ein guter Rat – selbst wenn man nur kurz das Haus verlässt. Das gilt auch für Fenster, Balkon- und Terrassentüren. Es gilt das Motto: Gekippte Fenster sind offene Fenster.

Einbrecher haben Erfahrung in ihrem Job. Daher soll man laut Polizei nie einen Schlüssel irgendwo draußen verstecken – denn die bösen Jungs finden jedes Versteck.  Wer einen Schlüssel verliert, sollte den Zylinder wechseln. Und bei längeren Abwesenheiten sollte man das nicht öffentlich annoncieren, etwa im Internet oder dem Anrufbeantworter. Volle Briefkästen sollte man ebenso vermeiden.