Stuttgart Asylpfarrer: Der Staat muss handlungsfähig bleiben

In der Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (LEA) wird ein gefesselter Mann von maskierten Polizisten abgeführt. Foto: Stefan Puchner
In der Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (LEA) wird ein gefesselter Mann von maskierten Polizisten abgeführt. Foto: Stefan Puchner © Foto: Stefan Puchner
Stuttgart / DPA 04.05.2018

Der Stuttgarter Asylpfarrer Joachim Schlecht hält die Razzia in der Ellwanger Flüchtlingsunterkunft nach einer gewaltsam verhinderten Abschiebung für richtig. „Der Staat muss handlungsfähig bleiben“, sagte Schlecht, der ein Beauftragter im Migrationsdienst der evangelischen Landeskirche in Württemberg ist. Sonst bestehe auch die Gefahr, dass der Widerstand auf andere Einrichtungen übergreife. Es stelle sich nur die Frage, ob die Stärke von mehreren Hundert Beamten bei der Razzia am Donnerstag in der Einrichtung angemessen gewesen sei. Denn rund 300 der knapp 500 Bewohner afrikanischer Herkunft hätten sich gar nicht am Widerstand gegen die Polizeibeamten beteiligt.

Er erlebe die Afrikaner unter den Flüchtlingen als sehr verängstigte und verzweifelte Menschen, die um die geringen Chancen für ihre Anerkennung als Asylbewerber wüssten. In ihrer Frustration versuchten sie hierzubleiben. Dabei sei aus seiner Sicht passiver Widerstand wie ein Sitzstreik akzeptabel - aber keine Attacken gegen Polizisten.

Hunderte Beamte durchsuchten am Donnerstag in einem stundenlangen Einsatz die Unterkunft. Dort hatten Flüchtlinge in der Nacht zu Montag die Abschiebung eines gesuchten Bewohners gewaltsam verhindert, die Polizei brach den Einsatz ab. Der 23-Jährige wurde bei der Razzia am Donnerstag gefasst und soll nach Italien zurückgebracht werden.

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