Uni Hohenheim Massen-Krankschreibung: Polizei durchsucht Arztpraxis

Im Mai hatten etliche Studenten eine Prüfung an der Uni Hohenheim abgebrochen und am selben Tag ein Attest eines einzigen Arztes vorgelegt.
Im Mai hatten etliche Studenten eine Prüfung an der Uni Hohenheim abgebrochen und am selben Tag ein Attest eines einzigen Arztes vorgelegt. © Foto: Marijan Murat/dpa
Stuttgart / Daniel Grupp 27.07.2018
Ein Mediziner soll vor Uniprüfungen bis zu 145 zweifelhafte Atteste für Studenten ausgestellt haben. Jetzt wurde seine Praxis von der Polizei durchsucht.

Die Affäre um Massen-Krankmeldungen bei Prüfungen an der Universität Hohenheim beschäftigt jetzt auch die Justiz. Staatsanwaltschaft und Polizei haben die Praxisräume des Arztes durchsucht.

Verdacht

Der Mediziner wird verdächtigt, eine Vielzahl von falschen Attesten ausgestellt zu haben. Derzeit gehen die Ermittler von 145 möglichen Fällen aus, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit.

Der Mediziner wird des „Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse“ verdächtigt, berichtet Römhild. Der Straftatbestand könne mit einer Haftstrafe bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden.

Durchsuchung

Die Patienten dürften durchaus überrascht gewesen sein, als die Polizei am Donnerstagvormittag  zu üblichen Öffnungszeiten die Praxis des Stuttgarter Arztes durchsuchte, vermutet Staatsanwalt Heiner Römhild.

Es sei eine Vielzahl von Unterlagen beschlagnahmt worden, die zunächst gesichtet werden müssten. Womöglich würden auch Studenten, die ein Attest vorlegten, als Zeugen gehört. Der Staatsanwalt kann daher noch nicht sagen, wann die Ermittlungen abgeschlossen sein werden.

Universität

Die Uni Hohenheim ist mit der Untersuchung der Umstände um die Prüfung in Betriebswirtschaftlehre ein Stück weiter. Demnach nahmen am 23. Mai 244 Studenten an der Klausur teil. Die Prüfung haben 75 Studenten abgebrochen. Davon legten 43 ein Attest des verdächtigen Arztes vor, erläutert Pressesprecherin Dorothea Elsner. 169 Studenten haben die Prüfung beendet.

Prüfung Wiederholen

Weil die vielen Abbrecher eine große Unruhe auslösten, haben die Nachwuchswissenschaftler die Gelegenheit, den Test zu wiederholen, ohne allerdings zuvor die Note zu kennen. 52 wollten die erste Prüfung werten, 46 haben bestanden, 106 Studenten wollen nachschreiben.

Weitere Atteste

Die Univerwaltung hat zudem registriert, dass derselbe Arzt von 23. bis 25. Mai weitere 105 Atteste vor Prüfungen ausgestellt hat. „Die werden jetzt alle vom Prüfungsamt auf ihre Stichhaltigkeit untersucht“, berichtet Elsner.

Ermittelt die Ärztekammer?

Auch die Ärztekammer könnte den Fall untersuchen. Der Kammeranwalt der zuständigen Bezirkskammer könne ein „berufsgerichtliches Verfahren“ anstrengen, erläutert Oliver Erens, Pressesprecher der Landesärztekammer. Da solche Ermittlungen nicht-öffentlich sind, könne er nicht sagen, ob gegen den betreffenden Mediziner ein Verfahren läuft. Der Kammerarzt müsse aber ohnehin seine Ermittlungen ruhen lassen, wenn auch die Staatsanwaltschaft in einem Fall tätig ist.

Wird die Berufserlaubnis entzogen?

Erens, der selber Arzt ist, betont, dass er zum konkreten Fall nichts sagen kann. Er verweist aber auf die Berufsordnung. Dort ist in Paragraf 25 geregelt, dass der Patient beim Erstellen eines Attestes persönlich untersucht werden muss. Zudem müsse die Ausstellung nach „bestem Wissen und Gewissen“ erfolgen. Wie auch immer interne Ermittlungen ausfallen mögen, die Ärztekammer könne keine Approbation entziehen. Erens: „Das Regierungspräsidium Stuttgart ist für Approbationen zuständig.“

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