Ulm Pistolen aus Ulm für Kolumbien?

Pistolenfertigung beim Ulmer Waffenhersteller Walther. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Exporten der Firma.
Pistolenfertigung beim Ulmer Waffenhersteller Walther. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Exporten der Firma. © Foto: dpa
Ulm / WILLI BÖHMER 24.09.2015
Wie kommen P-99-Pistolen der Ulmer Waffenfirma Carl Walther ohne Ausfuhrgenehmigung ins Bürgerkriegsland Kolumbien? Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Verantwortliche des Unternehmens.

Die Vorwürfe wiegen schwer. Hat die Ulmer Traditionsfirma Carl Walther illegal Pistolen nach Kolumbien geliefert? Die Aktion "Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel" ist davon überzeugt. Sie ließ deshalb bereits vor eineinhalb Jahren ihren Anwalt Anzeige erstatten. Zuerst ermittelte die Staatsanwaltschaft Ulm, inzwischen wurde das Verfahren an die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Außenwirtschaftsdelikte in Stuttgart abgegeben. Ein Sprecher der Strafbehörde bestätigte am Mittwoch, dass es Ermittlungen gegen Verantwortliche der Waffenschmiede gebe. Es gehe um den Verdacht, dass das Unternehmen einen Verstoß gegen das Außenhandelsgesetz begangen habe. Konkret gehe es dabei um P-99-Pistolen aus der Ulmer Produktion. Details werden derzeit nicht genannt, die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen.

Paul Russmann, einer der Sprecher der Aktion Aufschrei, sagte am Mittwoch, sie gingen von hunderten, wenn nicht gar tausenden Pistolen aus, die illegal nach Kolumbien geliefert wurden. Auf welchem Weg das geschah, sei ihnen nicht bekannt. Aber es gebe Filmaufnahmen, die zeigten, dass einige dieser Waffen die Walther-Schleife und den Aufdruck "made in Germany" trugen.

Die Geschäftsleitung des Ulmer Unternehmens war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Walther ist seit 20 Jahren ein Tochterunternehmen der Umarex-Gruppe, die ihren Sitz in Arnsberg hat. Von Arnsberg aus werden auch viele Walther-Waffen verschickt. "Wir wissen auch nichts", sagte ein Umarex-Sprecher am Mittwoch zu den Vorwürfen. Deshalb könne man auch keine inhaltliche Stellungnahme abgeben. Walther-Geschäftsführer Manfred Wörtz hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Februar in einem Gespräch mit der Deutschen Welle jede Schuld von sich gewiesen: "Wir können uns nicht erklären, wie die Waffe in Kolumbien in den Handel gelangen konnte." Die Firma habe weder Waffen noch Technologie in das südamerikanische Land geliefert.

Walther exportiert vor allem Pistolen in viele Länder der Welt. In verschiedenen Bundesländern in Deutschland tragen Polizisten Waffen des Unternehmens. Für einen Export brauchen deutsche Unternehmen die Genehmigung der Bundesregierung. Der Export nach Kolumbien ist jedoch verboten. Das Land gilt als unsicher. Polizei, Paramilitärs, Drogenclans und Guerillas bekämpfen sich seit Jahrzehnten.

"Dieser Fall riecht für mich ganz stark nach einem Umgehungsgeschäft", sagte Holger Rothbauer, Anwalt aus Tübingen, der die Aktion Aufschrei vertritt, am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung. Walther sei schon 2006 wegen eines Umgehungsgeschäftes mit Pistolen nach Guatemala rechtskräftig verurteilt worden. Damals sei eine Endverbleibserklärung für die Waffen bei der US-Army vorgelegt worden. Aber sie seien dann direkt nach Guatemala weitergegangen.

Im Kolumbien-Fall lägen ihm Informationen vor, dass ein Junge, 11 oder 12 Jahre alt, als Kindersoldat mit einer Walther P 99 einen Menschen erschossen habe. Die Daten des Jungen und des Opfers seien bekannt. Deshalb hatte Rothbauer bereits im Februar 2014 bei der Staatsanwaltschaft Ulm Anzeige wegen des Verdachtes eines Tötungsdeliktes erstattet. Die Tötungsanzeige wurde niedergeschlagen, weil der Beweis kaum zu führen wäre, dass der tödliche Schuss genau mit dieser Waffe abgegeben wurde, sagte der Anwalt. Übrig blieben die Ermittlungen wegen eines Verstoßes gegen das Außenhandelsgesetz durch ihre Stuttgarter Kollegen. Der Zoll geht den Vorwürfen nach.

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