Die Speicherfundamente machen's möglich. Um 40 Meter steigt dadurch die Nabenhöhe der vier Windräder, mit deren Bau in Gaildorf begonnen wurde und die die höchsten der Welt sein werden. Bis zu 178 Meter werden die Türme in die Luft ragen, die 132 Meter langen Rotoren sich bis zu 240 Meter über die Limpurger Berge recken.

Der Ertrag werde in dieser Höhe um schätzungsweise 25 Prozent höher sein als bei den Windkraftanlagen der Schwäbisch Haller Stadtwerke in der Nachbarschaft, sagt Alexander Schechner, Geschäftsführer der Max Bögl Schechner MBS Naturstromspeicher GmbH. Der Gaildorfer Ingenieur hat die Idee des Naturstromspeichers entwickelt und die Max Bögl Firmengruppe im oberpfälzischen Neumarkt als Partner gewonnen. Die Stadt Gaildorf und die ortsansässige Graf-Pückler-Stiftung haben die notwendigen Flächen zur Verfügung gestellt.

Mit Windkraft allein ist es nicht getan. Noch in diesem Jahr soll in der Kocheraue bei Gaildorf mit dem Bau eines Unterbeckens begonnen werden. Denn die Fundamente der Windräder, die jeweils fünf Megawatt Leistung erbringen sollen, sind als Wasserspeicher konzipiert. Sie korrespondieren mit einem Pumpspeicherkraftwerk, das weitere 16 Megawatt leisten wird. Und zwar fix: Der Pumpspeicher, sagt Schechner, werde binnen 30 Sekunden volle Leistung erbringen, "wir sind so schnell wie eine Batterie".

Schechner ist überzeugt, dass lokale "Flexibilitätskraftwerke" wie der Naturstromspeicher, die die direkte Versorgung vor Ort ermöglichen, neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien die zweite wesentliche Säule der Energiewende sein werden. Klassische Pumpspeicherkraftwerke seien zu groß und zu träge, um Leistungsschwankungen auszugleichen, die sich durch Sonnen- und Windenergie ergeben.

Beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sieht man das offenbar ähnlich: Der Naturstromspeicher, der in zweieinhalb Jahren vollständig in Betrieb sein soll, erhielt aus dem Umweltinnovationsprogramm des Ministeriums eine Zuwendung von 7,15 Millionen Euro.

Der Naturstromspeicher soll denn auch keine singuläre Erscheinung bleiben. Die Gaildorfer Anlage ist als Pilotprojekt gedacht, als Anschauungs- und Demonstrationsobjekt für die weltweite Vermarktung. Die Weichen dafür sind bereits gestellt: die aus der Tunnelbautechnik stammenden Fertigteile für die Windkraftwerke werden im Bögl-Stammwerk in Sengenthal in Serie gefertigt.