Hasen Ostern mit wenigen Feldhasen

© Foto: Emily Wabitsch (dpa)
PETRA WALHEIM 26.03.2016
Der Feldhase, in diesen Zeiten auch als Osterhase bekannt, kämpft ums Überleben. Der Bestand hält sich auf niedrigem Niveau, steigt aber nicht. Es fehle an Nahrung und Verstecken, sagen Experten.

An Ostern ist der Hase in aller Munde. Ob aus Schokolade, aus Zuckerguss oder aus Fleisch und Blut: Das flauschige Tier mit den langen Ohren gehört zu Ostern wie Lebkuchen zu Weihnachten. Dabei fragt kaum jemand danach, wie es dem Hasen auf dem Feld so geht - nach Einschätzung des Naturschutzbunds (Nabu) nicht so rosig. In vielen Landesteilen gebe es viel zu wenige der Langohren, informiert Nabu-Landesvorsitzender Andre Baumann und stellt die Frage, die sich gerade an Ostern aufdrängt: "Wer soll die Ostereier verstecken, wenn Meister Lampe selbst kaum noch Platz zum Überleben hat?" Baumann fordert von der künftigen Landesregierung ein Osterhasen-Förderprogramm. "Ziel muss sein, dass bis Ostern 2020 der Bestand der Hasen im Ländle wieder zunimmt."

Damit verbindet er einen Appell an die Landwirtschaft. "Auf intensiv bewirtschafteten und mit Gift behandelten Feldern finden Hasen kaum Nahrung." Sie bräuchten vielfältige Lebensräume, mehr Hecken, bunt blühende Ackerraine und Blühstreifen - keine Agrar-Steppen. Dabei ist der ursprüngliche Lebensraum des Feldhasen die Steppe. Doch er braucht die Möglichkeit, sich zu verstecken. Und die richtige Nahrung: Dazu gehören nach Auskunft von Johannes Enssle, Wildtier-Experte beim Nabu, saftige Gräser mit Löwenzahn, Kräuter und Pflanzensamen. Auch Getreidereste futtert er gerne. Anders als Kaninchen, die in Erdhöhlen leben, wohnt der Feldhase in Sassen. Das sind in den Boden gegrabene Gruben. Was er nicht verträgt sind Feuchtigkeit und Kälte.

Deshalb leben besonders viele Feldhasen im milden Klima am Rhein. Laut Nabu sind es dort oft mehr als 50 Hasen pro 100 Hektar. Im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb sind es teilweise nur fünf Hasen auf 100 Hektar. Obwohl sie sehr fruchtbar sind, die Weibchen nach Auskunft von Johannes Enssle drei bis vier Mal pro Jahr zwei bis vier Junge werfen, stagniert der Bestand seit Jahrzehnten auf einem "sehr niedrigen Niveau". Pro Häsin und Jahr überlebten nur zwei bis drei Junge, sagt Enssle.

Seit 2013 gehe der Trend wieder bergab, sagt Baumann. Das zeigten die Statistiken der Wildforschungsstelle des Landes in Aulendorf, an denen die Jägerinnen und Jäger mitarbeiten. "Feldhasen werden nur noch selten geschossen. Verantwortlich für die Misere der Feldhasen sind aber nicht die Jäger, sondern die intensive Landwirtschaft", betont Baumann.