Ellwangen Ostalb: Erstaunliche Gelassenheit

Zwei Stunden Anstehen: Essensausgabe in der Lea Ellwangen.
Zwei Stunden Anstehen: Essensausgabe in der Lea Ellwangen. © Foto: dpa
GEK/ML/BM 07.10.2015
Die Situation im Ostalbkreis ist stark geprägt von der Landeserstaufnahmestelle in Ellwangen, die im April dieses Jahres eröffnete. Statt vereinbarten 1000 leben heute mehr als 4000 Menschen in der ehemaligen Kaserne - zum Teil in Zelten.

Alle Räume, die für Kinderbetreuung, Deutschunterricht oder Sport vorgesehen waren, sind mit Betten belegt. Es gibt zu wenig Toiletten und Waschräume, bei der Essensausgabe müssen die Flüchtlinge bis zu zwei Stunden Schlange stehen. Hier kommt es immer wieder zu Streitereien, die bereits mehrmals zu Massenschlägereien wurden. Auch die Ladendiebstähle in der Stadt stiegen deutlich an.

Die Ellwanger Bürger gehen erstaunlich gelassen mit der Situation um. Nicht wenige sehen in den Flüchtlingen eine Bereicherung des gesellschaftlichen Lebens. Der Einfluss rechter Gruppen auf die Meinungsbildung nimmt seit Lea-Eröffnung eher ab. Wirtschaftlich profitiert die Stadt auch von der Einrichtung - etwa durch Aufträge für Handwerker, aber auch steuerlich.

In Schwäbisch Gmünd hingegen wurde kürzlich der Baustart für ein "Flüchtlingsdörfle" gefeiert. Landrat Klaus Pavel und Gmünds OB Richard Arnold lobten die Unterkunft als Projekt mit Modellcharakter. Vom Frühjahr an sollen dort 116 Asylbewerber unterkommen. Gmünds OB Arnold hat sich früh für Integration stark gemacht. Gestern Abend war er in der ARD bei "Menschen bei Maischberger" zu Gast.

Im Kreis Heidenheim ist die Gesamtsituation angespannt. Landrat Thomas Reinhardt spricht aktuell davon, dass der Landkreis nun ebenfalls im "Krisenmodus" ist. Nach seiner Rechnung werden bis Ende des Jahres 1300 bis 1400 Asylbewerber im Kreis leben.

Im Landratsamt beschäftigt man inzwischen ein eigenes, personell aufgestocktes Team, um neue Quartiere zu finden. Im Unterschied zu manch anderen Regionen schafft man es bislang noch, ohne Notunterkünfte in Turnhallen auszukommen. Widerstände gegen bisherige Planungen gibt es nicht: Die Willkommenskultur gilt als sehr ausgeprägt. So haben etliche Sportvereine bereits Asylbewerber bereits im aktiven Spielbetrieb.