Ludwigsburg Ohne neue Beweise keine Ermittlungen gegen SS-Mann

Im abgebildeten KZ Trawniki im besetzten Polen war der frühere SS-Mann Jakiw Palij Aufseher. Foto: US Department of Justice/Archiv
Im abgebildeten KZ Trawniki im besetzten Polen war der frühere SS-Mann Jakiw Palij Aufseher. Foto: US Department of Justice/Archiv © Foto: Uncredited
Ludwigsburg / DPA 21.08.2018

Gegen den aus den USA abgeschobenen früheren SS-Mann Jakiw Palij wird es nach Angaben der Staatsanwaltschaft zunächst keine neuen Ermittlungen in Deutschland geben. Das gegen den Mann geführte Verfahren wegen Beihilfe zum Mord sei Mitte 2016 aus Mangel an Beweisen von der Staatsanwaltschaft Würzburg eingestellt worden. Sollten sich keine neuen Beweise ergeben, bleibe der heute 95-Jährige ein „nicht mehr Beschuldigter in einem Ermittlungsverfahren in Deutschland“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen, Jens Rommel, am Dienstag in Ludwigsburg. Eine Einstellung solcher Verfahren sei aber „nichts für die Ewigkeit“, sollten sich neue Beweise ergeben.

Die USA haben Palij, der als Aufseher im Zwangsarbeitslager Trawniki im besetzten Polen tätig gewesen sein soll, nach Deutschland abgeschoben. Der auf dem Gebiet der heutigen Ukraine geborene Mann soll 1949 in die USA ausgewandert sein und 1957 die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen haben. Da er damals seine Nazi-Vergangenheit verheimlicht haben soll, hat ihm ein US-Gericht bereits 2003 die Staatsbürgerschaft entzogen.

Die Zentrale Stelle in Ludwigsburg gibt laut Rommel nach ihren Vorermittlungen Jahr für Jahr rund 30 Fälle an die zuständigen Staatsanwaltschaften weiter. In den meisten Fällen komme es nicht zu einer Anklage, weil die mutmaßlichen Täter inzwischen alle jenseits der 90 Jahre und nicht mehr verhandlungsfähig seien. Dennoch gebe es auch aktuell vier Anklagen gegen ehemalige KZ-Aufseher, zwei in Münster, eine in Frankfurt und eine in Mannheim.

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