Wer nur ein kurzes Stück durch Österreich fahren will – um einen Tagesausflug zu machen oder um in die Schweiz oder nach Italien zu kommen, darf sich freuen: Ab dem 15. Dezember kann man sich die 9,40 Euro für die österreichische Vignette sparen. Zumindest, wenn man einen der fünf Autobahnabschnitte befahren möchte, die von der Maut befreit werden. Darunter die Rheintalautobahn A14 vom Grenzübergang bei Lindau bis Hohenems – und damit auch der Pfändertunnel.

Österreichischer Bundesrat stimmt für Ausnahmen bei der Mautpflicht

Damit ist es amtlich: Ab dem 15. Dezember sollen einige Autobahnabschnitte von der Maut befreit werden, drei davon in Grenznähe zu Deutschland. Der österreichische Bundesrat hat beschlossen, keinen Einspruch gegen den Beschluss des Nationalrates zur Mautbefreiung einzulegen. Dieser hatte zuvor bereits mit großer Mehrheit die Ausnahmen für die Abschnitte beschlossen. Die Parteien wollen mit der Maßnahme den Ausweichverkehr vor allem von deutschen Autofahrern über Landstraßen eindämmen.

Mautbefreiung soll Ausweichverkehr und Staus verhindern

Über das Vorhaben wurde in Österreich bereits seit vielen Jahren diskutiert, laut dem ÖVP-Politiker Peter Haubner sind seit 1997 mehr als 30 Anträge dazu im Parlament eingebracht worden. In zahlreichen österreichischen Gemeinden im Grenzgebiet gibt es aufgrund des Ausweichverkehrs von Mautvermeidern oft lange Staus und Verkehrsbehinderungen. Besonders Lindau soll durch die Befreiung von unnötigem Durchgangsverkehr und damit Lärm und Abgasen entlastet werden.

Viele Pendler und Touristen nutzen auf ihrem Weg nach oder durch Österreich die Landstraßen, weil dann keine Maut fällig wird. Eine Vignette kostet in Österreich für zehn Tage im Jahr 2020 9,40 Euro, für ein ganzes Jahr 91,10 Euro. Die Ausnahmen beziehen sich jeweils nur auf wenige Kilometer von der Grenze ins Landesinnere.

Pfändertunnel: Keine Vignette mehr nötig

Besonders für Reisende aus dem Allgäu, Oberschwaben und der Bodenseeraum interessant: Der Pfändertunnel wird mautfrei. Neben der A14 im Vorarlberger Rheintal sollen unter anderem auf der Westautobahn (A1) zwischen dem Walserberg und der Anschlussstelle Salzburg Nord sowie der Inntalautobahn (A12) zwischen der Grenze und der Anschlussstelle Kufstein-Süd Ausnahmen gelten. Zusätzlich sollen noch zwei kleinere Stadtautobahnabschnitte in Linz gebührenfrei werden, die allerdings erst in Planung sind.

Mehrere österreichische Gemeinden sind gegen Mautbefreiung

Mehrere Gemeinden im österreichischen Grenzgebiet wollen gegen die Mautbefreiung von meist grenznahen Autobahnabschnitten vor den Verfassungsgerichtshof in Wien ziehen. Das machten die Bürgermeister der Vorarlberger Gemeinden Hohenems, Lustenau und Altach am Freitag bei einem Ortstermin klar. Sie werden in ihrem Ansinnen unterstützt von zwei Schweizer Gemeinden. Die Gemeinden befürchten eine höhere Verkehrsbelastung durch die Mautbefreiung.

Man schaffe ohne sachliche Grundlage Regionen mit und ohne Maut, hieß es seitens der Kommunalpolitiker. Das verstoße gegen den Gleichheitsgrundsatz.

Weitere Proteste der Gemeinden seien möglich, meinten die Bürgermeister. Die „verkehrspolitische Dummheit“ setze ein fatales Signal an die deutschen Autofahrer. „Allein das Signal wird mehr Verkehr erzeugen. Wir werden attraktiver für den Transit“, sagte der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer (ÖVP). Lustenau liegt auf der Querverbindung zwischen Autobahnen in Österreich und der Schweiz.