Morddrohungen Öhringer Gemeinderat tagt unter Polizeischutz

Ein anonymer Briefeschreiber hat gegen Oberbürgermeister OB Thilo Michler Todesdrohungen ausgesprochen.
Ein anonymer Briefeschreiber hat gegen Oberbürgermeister OB Thilo Michler Todesdrohungen ausgesprochen. © Foto: Stadt Öhringen
Öhringen / Hans Georg Frank 29.06.2018
Dem OB von Öhringen wird wegen eines umstrittenen Bauprojekts mit Mord gedroht. Jetzt tagt der Rat unter Polizeischutz.

Der Brief war ordnungsgemäß adressiert und ausreichend frankiert. Aber schon die Anrede fiel aus dem Rahmen: „Hallo Michler!“. Und der folgende Inhalt kann bestraft werden mit Freiheitsentzug bis zu drei Jahren. Dem parteilosen Oberbürgermeister von Öhringen (Hohenlohekreis) wurde mit dem Tod gedroht. „Deine Tage können bald gezählt sein“, konnte Thilo Michler (46) lesen, sein Leben sei „in Gefahr“. In eher wirrem Deutsch und ziemlich eigenwilliger Zeichensetzung wurde formuliert, das Oberhaupt der Stadt mit mehr als 24.000 Einwohnern sei „nicht mehr tragbar“, „denn so ein Arschloch sollte weg“.

„Ich bin natürlich erschrocken“, sagte Michler über seine erste Reaktion, „denn ich habe eine Frau und vier Kinder.“ Das örtliche Polizeirevier ließ vorsorglich mehr Streifenwagen aufmerksame Runden drehen. Was die angebliche „Vereinigung aus Kassastan und weiteren Zugezogenen“, die sich als Absender des Schreibens ausgab, zu dem kriminellen Akt verleitete, ist der kommunalpolitische Zwist um ein gewerbliches Bauvorhaben.

Hochregallager ein „Monsterbau“?

Bei dem  Projekt handelt es sich um ein vollautomatisiertes Hochregallager: 30 Meter hoch, 130 Meter breit, 220 Meter lang. Gegner, die sich zum Verein „Prima Klima West“ zusammengeschlossen haben, sprechen von einem „Monsterbau“. Sie befürchten vor allem negative Auswirkungen auf die Frischluftzufuhr der Stadt, weil der Standort in einem „stadtklimatisch sensiblen  Teilbereich“ und einer „bedeutsamen  lokalen Kaltluftzugbahn“ liegt, wie es in einem Gutachten heißt. Der OB spricht jedoch von „Stimmungsmache“.

Bauherr ist eine 1982 gegründete Schraubenfirma, die nach eigenen Angaben bereits jetzt „Europas größtes Edelstahllager“ besitzt, aus dem täglich 1000 Pakete in alle Welt verschickt werden. Vor drei Jahren hat das florierende Unternehmen den Platzbedarf auf einer Fläche von 3,5 Hektar angekündigt.

Polizei ermittelt gegen anonymen Briefschreiber

Wer den Drohbrief geschrieben hat, konnte die Polizei noch nicht herausfinden. „Wir ermitteln weiter“, sagte ein Sprecher des Präsidiums in Heilbronn. Unklar ist, ob tatsächlich Spätaussiedler als anonyme Verfasser in Frage kommen. Aus der früheren Sowjetunion zogen rund 2500 Menschen nach Öhringen. Sie ließen sich hauptsächlich in einem Gebiet nieder, das von der geplanten Halle nicht betroffen ist.

Polizeischutz hat OB Michler nicht verlangt, „man guckt halt genauer hin“, sagte er. Am nächsten Mittwoch allerdings will die Polizei vorsichtshalber anwesend sein, wenn in einer Sondersitzung des Gemeinderats die Anregungen und Einwendungen gegen das Bauprojekt erörtert werden. Die Argumente füllen 300 Seiten. Zuvor haben die Bürger fast zwei Stunden lang Zeit für ihre Fragen.

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