OB-Wahl OB-Wahl Bretten: Stimmzettel auf falschen Stapeln

Bretten / Hans Georg Frank 06.12.2017

Vier Stunden dauerte die Überprüfung des knappsten Sieges bei einer OB-Wahl. Dann stand endlich fest, dass Amtsinhaber Martin Wolff sein Chefzimmer im Rathaus von Bretten (Kreis Karlsruhe) nicht räumen muss. Hatte er nach der ersten Auszählung am Sonntagabend lediglich zwei Stimmen Vorsprung, so hielt er seinen erfolgreichsten Verfolger, Aaron Treut (CDU), letztlich auf einen Abstand von zwölf Stimmen.

Die langwierige Kontrolle ­hatte gezeigt, dass in einigen der 30 Wahlbezirke mehrere Stimmzettel den falschen Stapeln zugeordnet worden waren. Betroffen von dieser Panne waren alle drei Kandidaten. Andreas Leiling verbesserte damit sein Ergebnis um sieben Stimmen, Treut musste neun abgeben, OB Wolff steigerte sich um eine Stimme auf 36 Prozent.

Bürgermeister Michael Nöltner als Wahlleiter ging davon aus, dass von den 180 ehrenamtlichen Helfern „wissentlich bestimmt keine Fehler“ begangen worden seien. „Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler“, erklärte Rathaussprecherin Barbara Lohner. Ein Stadtrat der Grünen glaubte, solche Abweichungen bewegten sich „im Rahmen dessen, was man bei jeder Wahl findet“. In Bretten seien sie wegen der geringen Differenzen eben besonders aufgefallen. „Die ganze Wahl ist eine Blamage für die Stadt“, zitierte die Lokalzeitung den  FDP-Stadtrat Gerd Bischoff.

Die Abstimmung hatte gezeigt, dass ein tiefer Graben die politischen Lager trennt. SPD, Grüne und Freie Wähler hatten Wolff unterstützt. Ob die Entscheidung angefochten wird, lässt sich derzeit nicht erkennen. Ein Einspruch müsste spätestens eine Woche nach der Bekanntgabe des Ergebnisses eingelegt werden. Vom knapp unterlegenen Kandidaten Treut ist dies kaum zu erwarten. Er gratulierte Wolff noch am Montagabend im Sitzungssaal „Das ist Demokratie“, sagte der Ortsvorsteher.

Martin Wolff (60) wird für seine zweite Amtszeit am 1. Februar 2018 verpflichtet. Zuvor wird er eine neue persönliche Referentin einstellen. Die Journalistin und Politologin mit Diplom kann dann sein Schaffen in ein besseres Licht rücken. Auf ihrer Homepage stellt sie bei der Suche nach Aufträgen eine Frage, die dem Vernehmen nach auch Wolff umgetrieben haben soll: „Sie haben tolle Produkte und keiner weiß es?“