"Es ist ein richtiges Drama", fasste der Vorsitzende Richter Thomas Keckeisen gestern die neun Verhandlungstage vor der 1. Schwurgerichtskammer des Ulmer Landgerichts zusammen. Eine tragische Beziehung gipfelte darin, dass der Angeklagte seine Frau töten wollte - wie er inzwischen gestand. Der 40-jährige Türke hatte im März 2012 seine von ihm getrennt lebende Frau in Laichingen (Alb-Donau-Kreis) mit dem Auto überfahren. Die 31-jährige Mutter zweier Kinder wurde lebensgefährlich verletzt, ihr Onkel und ein Nachbar erlitten Prellungen, ihre Tante verletzte sich, als sie zur Seite sprang. Bereits am Morgen hatte er seine Frau, die die Scheidung wollte, abgepasst und angekündigt: "Heute ist dein Todestag". Er werde sie zur Abschreckung aufhängen.

Die Staatsanwaltschaft Ulm erhob gegen den Stuckateur Anklage wegen vierfach versuchten Mordes. Gestern erging das Urteil: Neun Jahre Freiheitsstrafe wegen versuchten Totschlags in drei Fällen und gefährliche Körperverletzung. Die bald zwei Jahre Untersuchungshaft werden auf die Strafe angerechnet. Merkmale eines Mordes wie niedrige Beweggründe oder Heimtücke konnte die Kammer nicht feststellen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Strafe von zehn Jahren gefordert wegen versuchten Mordes in drei Fällen, im vierten Fall ließ sich das nicht nachweisen.

Die beiden Verteidiger hielten eine Haft von fünf Jahren für angemessen. Ihr Mandant sei kein Klischee-Türke, die Tat habe nichts mit Ehre und Besitzansprüchen zu tun. Er habe seine Frau und die Kinder geliebt und sei provoziert worden von seiner anspruchsvollen, zu locker gekleideten Frau, die von "morgens bis abends keifte".

Schon 2012 war der Fall am Ulmer Landgericht verhandelt worden, das den Mann zu elf Jahren wegen versuchten Mordes in drei Fällen verurteilt. Seine Anwälte legten Revision ein, der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf. In mühsamer Kleinarbeit habe die Kammer versucht, sich der Wahrheit zu nähern, sagte Richter Keckeisen. Das Ende: Die 31-jährige Türkin sei durch den Angriff "schwerst geschädigt". Und der 40-Jährige habe durch die Tat seine bürgerliche Existenz zerstört, wohl auch den Kontakt zu seinen Kindern, deren Mutter er umbringen wollte.