Stuttgart Null Bock auf Spenden für die Juniorwahl

Stuttgart / ALFRED WIEDEMANN 19.09.2013
Jugendliche mit Bock auf Politik: 371 Schulen machen bei der Juniorwahl mit. Auf Spenden von Südwest-Firmen hoffen die Organisatoren aber vergebens.

Schon diese Woche ist Wahltag für Jugendliche: An insgesamt 371 Schulen im Südwesten - vom Gymnasium in Konstanz bis zur Grund- und Werkrealschule in Boxberg. 2271 Schulen sind republikweit dabei, mehr als eine halbe Million Schüler werden wählen. Die Juniorwahl wird im Unterricht vorbereitet, gewählt wird mit Stimmzetteln oder online - fast alles soll so laufen wie bei den Erwachsenen, auch wenn die Stimmabgabe symbolisch ist, die Stimmen nicht zählen. Das Ziel: Bei den jungen Leuten Interesse wecken für die Politik. Der Verein "Kumulus" aus Berlin organisiert die Juniorwahl schon seit 1999, in Baden-Württemberg waren zum Auftakt 2001 - damals zur Landtagswahl - 16 Schulen dabei.

Die Wahl macht nicht nur Lehrern Arbeit. Vorbereitung, Betreuung, Unterlagen kosten. Mit 250 Euro kalkuliert "Kumulus" pro Schule, für die die Teilnahme kostenfrei ist. Geworben wird um Spender, die "in die Demokratie investieren". Haarklein schlüsselt "Kumulus" alle Ausgaben auf - von 49 Euro fürs Unterrichtsmaterial bis zu 19,04 Euro für Schulbetreuung.

Das Geld vom Bundesfamilienministerium reichte für 124 Schulen in Württemberg, das Kultusministerium finanzierte kurzfristig weitere zehn Schulen. Der Rest bleibt jetzt an "Kumulus" hängen. "Wir haben viele Firmen angeschrieben und nachgehakt", sagt Gerald Wolff von "Kumulus". "Spenden in Baden-Württemberg: null."

In anderen Bundesländer hat die Wirtschaft mehr Bock auf Politik: In Niedersachsen fanden sich neben öffentlichen Institutionen auch Spender aus der Wirtschaft für alle 447 Mitmach-Schulen, in Neumünster in Schleswig-Holstein gab es sogar eine Kirchen-Kollekte für die Aktion. Auch im Südwesten will der Verein dranbleiben, vielleicht finden sich noch Unterstützer, auch für die Kommunal- und Europawahlen 2014. "Wir sind nicht der Meinung, dass stets die öffentliche Hand für die Finanzierung verantwortlich ist", sagt Wolff. Gerade wenn es darum gehe, die Jugend für Politik und Demokratie zu gewinnen, "muss man das als gesamtgesellschaftliche Aufgabe sehen."

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