Groß gewachsen, adrett gekleidet, kurze Haare - und eine zittrige Stimme: Jörg B. ist nervös, als er am Montag vor den NSU-Untersuchungsausschuss tritt. Es ist 18 Uhr: Sechs Zeugen haben bereits ausgesagt: Beamte, Staatsanwälte - allesamt Ermittler im mysteriösen Todesfall Florian H.. Der Hinweisgeber zum Polizistenmord in Heilbronn verbrannte am 16. September 2013 am Rande des Cannstatter Wasens im Auto - just an jenem Tag, als er erneut zu seinen Hinweisen befragt werden sollte.

Nun soll auch Jörg B. über seine Ermittlungen in diesem Fall berichten: Er war am Tatort, hat beispielsweise mit einem Detektor den ausgebrannten Peugeot nach Brandbeschleuniger abgesucht. Und der Kriminaloberkommissar war dabei, als der Familie die Todesnachricht überbracht wurde.

Durch den Bericht in der SÜDWEST PRESSE vom Samstag bekommt die Aussage von Jörg B. eine besondere Bedeutung. Es geht um Verbindungen zum rassistischen Ku-Klux-Klan, in dem der Bruder des Beamten vor Jahren eine hohe Stellung eingenommen hat. Ausschussvorsitzender Wolfgang Drexler (SPD) hatte am Morgen noch erklärt, die Thematik könne in eine nichtöffentliche Sitzung ausgelagert werden, da sie nur in als Verschlusssache eingestuften Akten vermerkt ist. "Daraus können wir nicht zitieren." Jörg B. geht bei seiner Befragung aber selbst in die Offensive. "Das Wochenende war sehr schwierig für mich", sagt der gebürtige Schwäbisch Haller. "Ich kann nur sagen: Ich habe einen Bruder, der in der rechten Szene aktiv war. Es war schwierig für die ganze Familie." Er selbst aber habe nie Kontakte in die Szene gehabt.

In geheimen Akten steht: Jörg B. soll 2001 einen Kollegen mit in eine Sportsbar nahe Schwäbisch Hall genommen haben, wo der Kontakt zum Bruder entstand. Dieser Kollege und ein weiterer wurden später Mitglieder im Ku-Klux-Klan. Durch den Klan gibt es Verbindungen zur Terrorzelle NSU - und auch zur in Heilbronn ermordeten Polizistin Michèle Kiesewetter. Timo H., einer der Klan-Polizisten, war ihr Gruppenführer. Für den Mord wird der NSU verantwortlich gemacht.

Jörg B. erklärt, es habe nie Ermittlungen gegen ihn gegeben, er sei nie vernommen worden. CDU-Obmann Matthias Pröfrock hakt nach: "Sie wurden niemals befragt?" Jörg B. korrigiert: Erst 2012 durch die Ermittlungsgruppe "Umfeld". Das Innenministerium erklärte kurz darauf, dass es neben den zwei Klan-Polizisten weitere Beamte gab, bei denen Kontakt zum KKK bestand, bei denen aber keine Mitgliedschaft nachgewiesen werden konnte.

Nachdem die Klan-Affäre 2001 behördenintern aufgeflogen war, wurde B.s Kollege im Jahr 2004 vernommen. Zum Aussage-Termin ließ sich der Beamte, bei dem mehrere fremdenfeindliche Vorfälle aktenkundig sind, fahren - von Jörg B. Der 46-Jährige versichert: Vor diesem Zeitpunkt habe er nicht gewusst, dass hinter seinem Rücken sein Bruder und sein Kollege gemeinsam im rassistischen Klan mitgewirkt haben.