Aus dem harmlosen rosaroten Panther wird im 15-minütige Streifen der Überbringer einer makabren Botschaft: Der 2011 aufgetauchte Zeichentrickfilm gilt als Bekennervideo des NSU, in dem Bezug auf zehn Morde genommen wird. Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sollen, davon geht die Anklage aus, die Taten alleine begangen haben, also auch den Heilbronner Polizistenmord von 2007.

Es gibt Zweifel. Einige Ermittler vermuten mehr als zwei Täter in Heilbronn. Es gibt zudem Verbindungen der Zwickauer Zelle zur rechtsextremen Szene im Raum Stuttgart, Heilbronn und Ludwigsburg. Gab es einen Unterstützerkreis im Südwesten?

Da spielt das Bekennervideo wieder eine Rolle. Neben dem Paulchen-Panther-Video gibt es weniger bekannte Vorgängerversionen. In einem sind zwei Stücke der 1987 in Stuttgart gegründeten Band „Noie Werte“ zu hören.  Zwei Musiker mussten gestern vor dem Stuttgarter NSU-Ausschuss aussagen. Das taten sie eher widerwillig und mit eklatanten Erinnerungslücken, „immer dann, wenn es eng wird“, kommentiert die Grünen-Abgeordnete Petra Häffner die Aussagebereitschaft von Oliver H..

Der 48-Jährige war knapp 20 Jahre Gitarrist der Band. Mit Brille, grauen Haaren und grauem Oberteil  erklärt er, ihm sei es nicht um die Inhalte der Texte gegangen, die gewaltverherrlichend und ausländerfeindlich sind. „Ich wollte nur Musik machen.“ Er habe nie bemerkt, dass das Publikum die Arme zum Hitlergruß hob. Auch könne er sich nicht erklären, wieso der NSU ihre Stücke „Puls der Zeit“ und „Kraft für Deutschland“ ausgewählt habe. Und weiter: Oliver H. will die drei Rechtsterroristen nicht gekannt haben. Dabei gab die Gruppe „Noie Werte“ dutzende Konzerte auch in Ostdeutschland.  Die Band war gut über das militante und verbotene „Blood&Honour“-Netzwerk mit Gleichgesinnten auch in Sachsen und Thüringen verbunden. In diesem waren eben auch der NSU aktiv. Rechte Musik trug dazu bei, dass sich der NSU zunehmend radikalisierte.

Auf einem Album-Cover von „Noie Werte“ wurden neben Neonazis aus dem Umfeld des Trios auch ein „Uwe“ aus Mitteldeutschland gegrüßt. Die Hintergründe dazu will der einstige Gitarrist Oliver H. gestern längst vergessen haben. Heute sitzt er für die rechte Liste „Zentrum Automobil“ im Betriebsrat der Daimler AG. Wegen den Texten von „Noie Werte“ wurde er aber 2008 als ehrenamtlichen Richter vom Arbeitsgericht Stuttgart abberufen.

Dass es mehr Bezüge von „Noie Werte“ zum NSU gab, darauf deutet der Werdegang des Gitarristen Andreas G. hin, der 2002 aus Chemniz in den Rems-Murr-Kreis gezogen ist. Der Verfassungsschutz wusste, dass G. gegenüber anderen Skinheads zwei Jahre nach dem Untertauchen des NSU 1998 gesagt hat: „Den Dreien“ gehe es gut. G. streitet das heute ab. Er habe die beiden Uwes nicht gekannt. Dabei ließ er sich von Beate Zschäpe, die mutmaßlich einzige Überlebende des NSU, sogar bekochen. Er wohnte sogar eine Zeitlang im selben Haus wie das Trio. Auch hatte er Kontakte in das nahe Umfeld der Untergetauchten.

Ein weiteres Mitglied der Band, Stefan H., wurde gestern indes nicht befragt. H. war Frontman der Rechtsrocker und vertrat als Jurist auch Szeneangehörige vor Gericht. Sein Bandkollege Andreas G. gab mal zu Protokoll, dass Beate Zschäpe gerne von H. verteidigt worden wäre. Zu den Hintergründen wollte G. gestern aber nichts sagen.

Drei Fragen an Felix Steinbrenner


1 Welche Rolle spielt rechte Musik? Sie ist der Kitt für die Szene. Zwar versuchen die Bands oft, strafrechtlich mit ihren Texten nicht anzuecken, aber der Rassismus ist das verbindende Element. Über die ausdifferenzierten Musikrichtungen – vom Heavy Metal bis zu Hip-Hop – ist Musik auch ein Mittel, Rechtsextremismus zu entdämonisieren.

2 Und der finanzielle Aspekt? Konzerte und CDs sind ein Mittel der Finanzierung der rechtsextremistischen Szene. Auch das Merchandising lässt die Kassen klingeln. Die Zeiten, als CDs auf Schulhöfen verteilt wurden, sind aber vorbei.

3 Warum gibt es mehr Konzerte? Konzerte sind oft daran geknüpft, dass ein Rechtsextremist privates Gelände oder ein Gastwirt seine Räume zur Verfügung stellt. Das hat nicht unbedingt etwas mit wachsender oder schwindender Beliebtheit rechtsextremistischer Musik zu tun. dpa

Felix Steinbrenner (38) ist Fachreferent für Extremismusprävention bei der Landeszentrale für politische Bildung.