Stuttgart / THUMILAN SELVAKUMARAN Mehrere Polizeibeamte hatten Kontakte zum Ku-Klux-Klan - sind aber weiter im Dienst. Der NSU-Untersuchungsausschuss befragte gestern einstige Mitglieder und Sympathisanten des rassistischen Geheimbunds.

Mit zittrigen Händen hält der Beamte ein weißes Blatt vor das Gesicht, während mehrere Kameras auf ihn gerichtet sind. Die Haare des 45-Jährigen sind nach vorne über die Brille gekämmt. Jörg W. blickt verlegen zum Anwalt an seiner Seite. Der Beamte muss sich vor dem NSU-Untersuchungsausschuss verantworten. Er war Mitglied des Ku-Klux-Klan und wurde mit einem Ritual in der Ruine Geyersburg bei Schwäbisch Hall aufgenommen. Erklärtes Ziel des KKK-Ablegers, der von 2000 bis etwa 2003 existierte, war die Erhaltung der weißen Rasse in Europa.

Das will Jörg W. aber ausgeblendet haben. Ihm sei es darum gegangen, Frauen kennenzulernen und den christlichen Glauben zu festigen. "Sie verstehen, dass das für uns völlig unglaubwürdig klingt", kommentiert Ausschussvorsitzender Wolfgang Drexler (SPD). Denn im KKK waren nach Aussagen mehrerer Beteiligter nur zwei der rund 25 Mitglieder weiblich, damals beide zudem liiert. Außerdem hatte Jörg W. eigenen Angaben zufolge weder vor noch nach seiner Klan-Zeit mit christlichem Glauben etwas zu tun.

Drexler hält einen Handzettel hoch, den der Klan damals verteilt hat. Zu sehen ist ein dunkelhäutiger Mann mit einer hellhäutigen Frau, die durchgestrichen sind. Darüber steht: "Rassenvermischung - nein danke!" Jörg W., der das Flugblatt kennt, betont, nicht fremdenfeindlich gewesen zu sein.

Dem widerspricht Achim Schmid. "Er hat natürlich gewusst, um was es im Klan geht." Das sagt der damalige Klan-Chef, der derzeit in den USA lebt, der SÜDWEST PRESSE in einem Telefonat. Bestätigt wird dies von Steffen B., der einst hochrangiges Mitglied des KKK war. Das LKA hat in einer Akte zudem vermerkt, dass gegen Jörg W. ein Disziplinarverfahren eingeleitet wurde, weil er in einer Kneipe eine Schlägerei angezettelt und dabei fremdenfeindliche Parolen geäußert hatte. Konfrontiert damit, schüttelt Jörg W. den Kopf. Sein Anwalt moniert Suggestivfragen.

W., der heute noch im Dienst ist, war nicht der einzige Polizist im Klan. Auch Kollege Timo H., der in einer folgenden Sitzung befragt werden soll, wurde einst im Bund aufgenommen. H. war Gruppenführer von Michèle Kiesewetter und am Tag ihrer Ermordung 2007 wenige hundert Meter von der Heilbronner Theresienwiese entfernt im Einsatz.

Der Kontakt zwischen den Beamten und dem Klan entstand über den Bruder von Steffen B., der selbst Polizist ist: Jörg B. Dieser erklärt vor dem Ausschuss, er sei damals mit seinem Streifenpartner und seinem Bruder in einer Sportsbar in der Gemeinde Michelbach gewesen. Er habe nicht bemerkt, dass sich später die beiden ohne ihn getroffen haben und dass der Kollege im Klan aufgenommen wurde.

Über Jörg B. hatten weitere Beamte Kontakt zum Klan bekommen: Matthias und Kathrin F. Das Polizistenpaar saß gar bei Achim Schmid in der Wohnung. Es existiert ein Foto von Schmid mit dem Duo. Schmid trägt dabei ein T-Shirt mit Ku-Klux-Klan-Aufdruck. F., dem das Bild vorgehalten wird, kann sich nicht erinnern. Er bestätigt aber, ein Antragsformular für den KKK mitgenommen zu haben. "Das war ein Fehler", sagt er. Die Klan-Affäre war behördenintern 2001 aufgeflogen. Doch hatte dies für die Polizisten keine rechtliche Konsequenzen. Erst 2005 wurde gegen Timo H. und Jörg W. eine Rüge ausgesprochen. W. hat diese mittlerweile aus seiner Akte löschen lassen.

Die Strukturen des KKK waren von der Ermittlungsgruppe Umfeld, die den Polizistenmord in Heilbronn untersucht, 2013 erneut aufgerollt worden. Beteiligt war Kriminalhauptkommissar Michael K. Er erklärt vor dem Ausschuss, dass zu den Mitgliedschaften der Beamten keine eigenen Ermittlungen geführt, sondern Erkenntnisse des Verfassungsschutzes und des BKA übernommen worden waren. Es seien auch keine weiteren Beamten des Reviers befragt worden, obwohl es Hinweise auf mehr Klan-Sympathisanten gegeben hat. Jürgen Filius (Grüne) resümiert: "Es hat sich also nur das bestätigt, was sie vorher schon wussten? Michael K. nickt.

Dennoch bezeichnete Innenminister Reinhold Gall (SPD) die Arbeit der Ermittlungsgruppe Umfeld 2014 als Erfolg - und er erklärte, dass der Komplex KKK ausermittelt sei. Dabei gibt es offene Fragen, wie auch Nikolaos Sakellariou (SPD) am Montag bemerkt. Er spricht die Mitgliedschaft mehrerer Klan-Anhänger in der NPD an. "Wurde diese Systematik geprüft?" Michael K.: "Dem wurde nicht nachgegangen."

Terror unter Weißen Kapuzen

Geheimbund Die rassistische Terrorvereinigung Ku-Klux-Klan (KKK) wurde 1865 im US-Bundesstaat Tennessee gegründet. Mit Morden an Schwarzen und Attentaten auf Politiker kämpfte der Geheimbund gegen die Abschaffung der Sklaverei. Die Mitglieder trugen weiße Kutten und verbreiteten mit Feuer-Kreuzen Angst und Schrecken.

Ableger In den 60er Jahren erregten seine Aktivisten mit Aktionen gegen Mitglieder der schwarzen Bürgerrechtsbewegung Aufsehen. Seit den 90ern greift der KKK gezielt schwarze Kirchengemeinden an. Laut Schätzungen zählt er in den USA heute 8000 Mitglieder. Er knüpfte Kontakte zu Rechtsextremisten im Ausland. Die "Europäischen weißen Ritter vom brennenden Kreuz" gelten als europäischer Ableger. dpa