Bahnverkehr Noch immer massive Probleme in Regionalzügen

Für Berthold Huber ist klar, dass es mit dem Zehn-Punkte-Plan nicht getan ist.
Für Berthold Huber ist klar, dass es mit dem Zehn-Punkte-Plan nicht getan ist. © Foto: Sophia Kembowski/dpa
Stuttgart. „ / Melissa Seitz 16.05.2018
Zugausfälle und Verspätungen: Seit einem Jahr arbeiten Bahn und Land an Verbesserungen. Gelungen ist es nur zum Teil.

„Wir wollen uns nicht selbst auf die Schulter klopfen“, sagt Berthold Huber, Vorstandsvorsitzender im Bereich Personenverkehr der Deutschen Bahn. Im Schienenverkehr gebe es noch viel zu tun. Züge seien auf teils immer noch unpünktlich, Lokführer-Nachwuchs fehle, und für Fahrradfahrer sei die Reise mit der Bahn immer noch ein Drama.

Vor einem Jahr haben das Land und die Bahn einen Zehn-Punkte-Aktionsplan aufgestellt, um die Situation auf den Schienen und Bahnhöfen zu entspannen. „Wir sind alle zehn Maßnahmen angegangen“, sagt Verkehrsminister Winfried Hermann. Einige dauern noch an, andere seien bereits erledigt. Aber eins ist klar: „Die Mission ist noch nicht beendet.“ 14.000 Fahrgäste haben im Zuge des Aktionsplans 1,8 Millionen Euro als Entschädigung für Zugausfälle oder Verspätungen erhalten. Zusätzliche Fahrzeuge kamen zum Beispiel auf der Filstalbahn zum Einsatz. Außerdem sind Kooperationen mit den Verkehrsunternehmen „Transdev“ und „Netinera“ sowie dem Fahrzeugkonzern „MAN“ entstanden. Man müsse zusammenarbeiten, damit das System gelinge, sagt der Verkehrsminister.

Die Abarbeitung des Zehn-Punkte-Aktionsplans war für die Bahn kein Zuckerschlecken: „Herr Hermann hat uns gezwiebelt und getriezt“, sagt Huber. „Doch es geht ja schließlich darum, unsere Kunden zufriedenzustellen.“

Zufrieden sind manche Fahrgäste, das Land und die Bahn mit einer Strecke aber ganz und gar nicht: die Frankenbahn von Stuttgart nach Würzburg. „Die Strecke verläuft über einige Kilometer eingleisig. Das führt zu Verspätungen“, sagt David Weltzien, Vorsitzender der DB-Regionalleitung. Das Problem lässt sich so schnell aber auch nicht lösen. Die Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan wurde abgelehnt. Wie es jetzt weitergeht, ist ungewiss. „Wir brauchen das Gespräch mit dem Bund“, sagt Verkehrsminister Hermann. Mit kleinen Verbesserungen, zum Beispiel im Betriebsverlauf, versuche man die  Situation derzeit zu verbessern.

Auch die Bahn ringt um Personal. Zwar werden etwa 20.000 Mitarbeiter jedes Jahr eingestellt, aber dafür fehlen Nachwuchs-Lokführer. „In der Region Stuttgart können wir jeden Lokführer gebrauchen“, sagt Huber. Besonders bei spontanen Krankheitsfällen fehle das Personal, das einspringen könnte. Aus diesem Grund möchte die Bahn rund 60 Lokführer ausbilden –  für sich selbst, aber auch für das Unternehmen „GoAhead“. Sie sollen dann so lange für die Deutsche Bahn arbeiten, bis „GoAhead“  2019 einige Strecken des Regionalverkehr in Baden-Württemberg übernimmt.

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