"Kleine Fragmente" berechtigen das Heilbronner Polizeipräsidium zu der Hoffnung, doch noch den Mörder von Christine Piller zu schnappen. Die Verkäuferin aus Aglasterhausen (Neckar-Odenwald-Kreis), damals 19 Jahre alt und in einem Mosbacher Modehaus beschäftigt, ist vor 29 Jahren getötet worden. Zwei Monate nach der Vermisstenmeldung war ihre Leiche am 22. März 1986 im Eichwald zwischen Gundelsheim und Mosbach gefunden worden. Die junge Frau war erstochen worden, stellten Rechtsmediziner fest. Ihr Auto, ein braunmetallic-farbener Ford Fiesta, war bereits zwei Tage nach ihrem Verschwinden im Mosbacher Stadtteil Neckarelz entdeckt worden.

Die "Sonderkommission Piller" konnte den Mörder nicht ausfindig machen. Jetzt aber, nach fast drei Jahrzehnten, hat die Polizei Hinweise, die als Ansatz für neue Ermittlungen ausreichen, obwohl sie offiziell als "vage" eingeschätzt werden. Wie bei ungeklärten Verbrechen üblich, so sei auch der Fall Piller turnusmäßig überprüft worden, sagte ein Polizeisprecher. Dabei gehe es um eine neue Bewertung vorhandener Erkenntnisse und Beobachtungen, ebenso um den Einsatz weiterentwickelter Techniken.

Obwohl sich die Polizei erst am Wochenende an die Öffentlichkeit gewandt hat, gibt es offenbar bereits erste Spuren. "Wir müssen uns noch relativ bedeckt halten", gab sich der Polizeisprecher gestern aus taktischen Gründen sehr wortkarg.

Die Reaktionen zeigten, dass das Kapitalverbrechen auch nach so langer Zeit nicht in Vergessenheit geraten ist. Zwischen Mosbach und Heilbronn können sich allem Anschein nach viele Menschen sehr gut an den ungeklärten Fall erinnern. Von ihnen erhofft sich die Polizei weitere Aussagen über verdächtige Wahrnehmungen. Nach wie vor ungeklärt sei der Verbleib mehrerer Gegenstände, die sich im Besitz von Christine Piller befunden hätten, gab die Polizei bekannt. Es handle sich dabei um einen etwa zehn Zentimeter kleinen, hellbraunen Plüschhund, der einem Snoopy ähnelt, einen etwa 20 Zentimeter großen, hellbraunen Plüschbär mit weißen Brustbereich mit Aufhängefaden, ein rotbraunes Schlüsselmäppchen mit mehreren Schlüsseln, einen schwarzen, geflochtenen Gürtel und einen roten Cowboyanhänger sowie die Schuhe der Frau, die sie am Tag ihres Verschwindens getragen hat. Die Polizei nimmt an, dass diese Gegenstände vom Täter in einer schwarzen Plastik-Kleidertüte abtransportiert worden sind.

Lebt der Täter noch in der Gegend, dürfte ihm eine Traueranzeige aufgefallen sein, die in drei Tageszeitungen erschienen ist. "Ermordet! Warum! Von wem?" steht neben dem Bild des Opfers. Dazu weitere Fragen: "Warum musstest Du sterben? Wer ist Dein Mörder?"

Im Bereich der früheren Polizeidirektion Mosbach, die dem neuen Präsidium in Heilbronn zugeschlagen worden ist, gibt es einen weiteren Mord an einer jungen Frau, der nicht geklärt worden ist. Gabriele Pfeiffer, eine 27-jährige Erzieherin aus Hohenlohe, ist am 18. Juni 1994 beim Dorffest in Ravenstein-Erlenbach getötet worden. Sie lag erwürgt in einem Bach. 600 Männer sind zu einem DNA-Test vorgeladen worden waren, der Mörder war dadurch nicht zu überführen, weil wegen einer Panne nicht alle Proben ausgewertet werden konnten. Auch diesen Fall wird die Polizei demnächst wieder aufgreifen.