Neubaustrecke Neubaustrecke: Baubeginn am Albvorlandtunnel in Kirchheim

Die Tunnelbohrer Sybille und Wanda.
Die Tunnelbohrer Sybille und Wanda. © Foto: dpa
Kirchheim/Teck / Tobias Knaack / Iris Häfner 07.10.2017

Auch wenn gestern nicht Weltfrauentag war – der ist erst wieder am 8. März –, ging es zwischen Kirchheim/Teck und Wendlingen (beide Kreis Esslingen) vor allem um drei Frauen: Sibylle, Wanda und Nicole. Die beiden Erstgenannten sind Tunnelbohrmaschinen, Letztere hingegen trägt den Nachnamen Hoffmeister-Kraut und ist CDU-Wirtschaftsministerin in Baden-Württemberg.

Zunächst aber zu Sibylle und Wanda: Für die beiden Vortriebsmaschinen war gestern der offizielle Andrehtermin für den zweitlängsten Tunnel der Neubaustrecke (NBS) zwischen Wendlingen und Ulm, den Albvorlandtunnel.

Knapp 8,2 Kilometer sollen sie sich in den kommenden anderthalb Jahren durch das Albvorland graben. Gut 380 Millionen Euro werden dafür investiert, wie die Bahn mitteilte. Nach seiner Fertigstellung werde der Albvorlandtunnel zu den zehn längsten Eisenbahntunneln in Deutschland zählen. Und er ist nur 0,5 Kilometer kürzer als der Boßlertunnel – der längste Tunnel der NBS. Die Züge sollen die beiden Röhren später mit bis zu 250 Stundenkilometern durchfahren  können.

Männer waren auch anwesend: Bahnvorstand Ronald Pofalla sagte: „Es ist der letzte große Tunnel auf der Schnellbahnstrecke Stuttgart–Ulm.“ Wenn hier Züge rollen, würden die Wirtschaftsräume Stuttgart und Ulm näher zusammenrücken. Zudem erwarte er, dass die Metropolregionen zwischen Paris und Bratislava einen enormen Attraktivitätsschub erhalten. „Es ist ein zentrales Infrastrukturprojekt – für die Region, das Land, den Bund und Europa“, sagte Pofalla. Auch Guido Wolf, Landesminister der Justiz und für Europa, betonte die europaweite Bedeutung der ICE-Strecke. Der Landesflughafen werde mit der Schiene vernetzt, ebenso die Landesmesse.

20 Meter Vortrieb pro Tag

Nach den Männern ging es dann aber wieder um Sibylle und Wanda: Die beiden Tunnelvortriebsmaschinen sind je 120 Meter lang, wiegen rund 2300 Tonnen und haben einen Durchmesser von 10,82 Meter. Die Antriebsleistung liegt bei 4400 Kilowatt je Maschine. Die durchschnittliche Geschwindigkeit auf den knapp 8,2 Kilometern Strecke wird bei rund 20 Metern pro Tag und Maschine liegen.

Zu guter Letzt hatte neben Sibylle und Wanda schließlich auch noch Nicole Hoffmeister-Kraut ihren Auftritt: Einerseits durfte sie die Schutzpatronin der Bergl­eute, die Heilige Barbara, in ihren Schrein stellen. Und andererseits ist sie die Patin des Tunnels während der Bauzeit; weshalb der solange ihren Namen trägt: Nicole-Tunnel. Spätestens mit der avisierten Inbetriebnahme der Trasse 2021 aber heißt er dann Albvorlandtunnel.