Sie muss bewegend gewesen sein, die Rede von Naturschutzminister Alexander Bonde. So berichten es jedenfalls Teilnehmer der Personalversammlung im Naturschutzzentrum Ruhestein, das jetzt zugleich Sitz der Verwaltung für den Nationalpark Schwarzwald ist. Der Minister erschien am Morgen des ersten Arbeitstags der 40 Mitarbeiter, die eines der wichtigsten Projekte der Landesregierung zum Laufen bringen sollen - den Nationalpark Schwarzwald. Baden-Württembergs ersten Nationalpark überhaupt.

Auch nach all dem Streit um das Großschutzgebiet, der vor zweieinhalb Jahren begann, musste Bonde das Personal nicht erst motivieren. "Das sind durchweg Leute, die mit Begeisterung dabei sind", sagt Wolfgang Schlund. Der 52-jährige Biologe leitet zusammen mit dem vier Jahre älteren Forstwissenschaftler Thomas Waldenspuhl die Parkverwaltung.

Ihre Suche nach Mitarbeitern war weit weniger anstrengend als die Debatte vor dem Landtagsbeschluss pro Nationalpark. Denn die Stellen waren begehrt. Vom Kreisforstamt Freudenstadt wollten 22 Mitarbeiter in die Nationalparkverwaltung wechseln, nur zehn konnten berücksichtigt werden. Samt und sonders in die Dienste des Landes aufgenommen wurden die zehn Ranger, Naturpädagoginnen, Förster, Biologen und Verwaltungsangestellten des Naturschutzzentrums Ruhestein, das vom Land, den Kreisen Ortenau und Freudenstadt, der Stadt Freudenstadt sowie den Gemeinden Baiersbronn und Seebach getragen wird. Die Zentrums-Mitarbeiter bilden zunächst den Kern der Mannschaft. "Sie haben alle Erfahrung, sind verwurzelt, kennen sich gut aus", sagt Schlund. Bis 2016 wird die Verwaltung auf 89 Personalstellen ausgebaut.

Als eine der ersten Aufgaben nimmt sich die Nationalparkverwaltung vor, ein Veranstaltungsprogramm für Touristen, Jugendgruppen und Schulklassen zusammenstellen. Dabei können sich die Mitarbeiter auf das Programm des Naturschutzzentrums stützen. Führungen auf dem Lotharpfad gehören dazu. Hier kann beobachtet werden, wie sich Wald nach der Zerstörung durch den Sturm 1999 regeneriert. Aufenthalte im Wildniscamp oder im Forschercamp und Exkursionen in die Täler und Höhen des Schwarzwalds hat das Zentrum ebenfalls im Programm.

Angelaufen sind auch die Schulung der Mitarbeiter. Erfahrene Ranger und Naturpädagogen geben ihr Wissen an die Neuen weiter. Förster und Waldarbeiter lernen das Borkenkäfer-Monitoring. Dabei werden mit Lockstoffen bestückte Fallen aufgestellt. Fangquoten erlauben Aussagen über die Populationsentwicklung von Insekten, die den Wäldern rund um den Nationalpark gefährlich werden könnten. In den Kernzonen des Parks soll der Borkenkäfer seine Daseinsberechtigung haben, in den nachbarlichen Wirtschaftswald soll er aber nicht übergreifen. Für die Schutzaufgabe sieht sich das Team gerüstet. "Wir haben genug Ressourcen und Personal, um den Borkenkäfer in Schach zu halten", sagt Waldenspuhl.

Zu den nächsten Vorhaben zählt auch ein Verkehrskonzept. Es geht darum, die Mobilität der Nationalparkbesucher zu sichern, die negativen Auswirkungen jedoch zu minimieren. An ein Konzept mit Shuttle-Bussen wird gedacht, außerdem an Pläne, wie Rad- und Pedelecbenutzer am leichtesten den Park erreichen. Das Verkehrsministerium hat für eine Vorstudie 60 000 Euro freigegeben. In Arbeit ist ein Zonierungskonzept zum Aufteilen der 10000 Hektar in Kern-, Entwicklungs- und Managementbereiche.

Noch zeigt keine Tafel den Besuchern an, wo der Nationalpark anfängt und wo er aufhört. Und die Besucherportale, in denen die Gäste in Empfang genommen werden sollen, sind noch nicht oder erst provisorisch eingerichtet. Die ersten Standorte bilden das Naturschutzzentrum am Ruhestein, die Außenstelle des Kreisforstamts Freudenstadt in Baiersbronn-Klosterreichenbach und das ehemalige Winterdienstgehöft der Straßenbauverwaltung an der Alexanderschanze. Weitere sollen dazu kommen.

Über alle Konzepte diskutiert und beschließt der Nationalpark-Beirat. Dieses Gremium mit 24 Sitzen wird sich am 23. Januar konstituieren. Es setzt sich paritätisch aus Vertretern der Region und der Landesverwaltung zusammen. Den Vorsitz wird ein regionaler Vertreter übernehmen. Diese Konstellation, dass die Bürgermeister und Landräte einer Region bei einem Nationalpark mitentscheiden, ist einmalig in der Bundesrepublik.

Bis auf Weiteres bleibt der Nationalpark zweigeteilt. Die Gebiete rund um den Großen Ochsenkopf und den Ruhestein trennt ein etwa drei Kilometer breiter Korridor, der hauptsächlich einer Waldgenossenschaft gehört, der Murgschifferschaft. Zwar gibt es Überlegungen, diese Wäldereien gegen staatliche Wälder zu tauschen, doch werden sie im Moment nicht weiterverfolgt.

Die Fakten zu dem neuen Schutzgebiet