Mit Ihnen und Landrat Klaus Michael Rückert stehen zwei Christdemokraten an der Spitze der beiden Nationalpark-Gremien Beirat und Rat. Lassen Sie sich vom grünen Naturschutzminister Alexander Bonde instrumentalisieren?
GERHARD GOLL: Ganz sicher nicht. Der Nationalpark Schwarzwald war ja ursprünglich die Idee von Christdemokraten wie Gerhard Weiser und Erwin Vetter. Das Thema eignet sich überhaupt nicht zur Politisierung oder gar zur parteipolitischen Instrumentalisierung.

War die CDU-Fraktion gegen den Nationalpark, weil die Grünen ihn zu ihrem Projekt erhoben haben?
GOLL: Leider fehlt mir die Art der Intelligenz, die notwendig ist, um die Position der CDU-Fraktion zu verstehen. Bei ihren Veranstaltungen wurde mir nicht klar, was sie eigentlich will. Ich weiß auch heute noch nicht, was an einem "Bürgernationalpark", wie die Fraktion so schön sagt, anders sein soll als an jenem, den es jetzt zu entwickeln gilt.

Haben Sie eine Idee, wie die CDU für den Park gewonnen werden kann?
GOLL: Zunächst einmal: Die Mehrheit der Bevölkerung in Baden-Württemberg steht hinter dem Nationalpark. Ebenso eine Mehrheit der CDU-Mitglieder. Ich war ja bei meinem Engagement nicht allein. Eine beachtliche Gruppe erfahrener und verdienter Persönlichkeiten der CDU haben sich für den Park stark gemacht. Jene, die heute noch dagegen sind, sollten meinem Rat folgen, einfach die Realität zu betrachten, wie sie sich in nächster Zeit entwickeln wird. Dann werden alle Horrorgeschichten, die über dieses Projekt erzählt worden sind, in sich zusammenfallen.

Ist es denkbar, dass die CDU, wenn sie wieder an die Regierung käme, den Nationalpark rückgängig macht?
GOLL: Es ist eine merkwürdige Vorstellung von Parlamentarismus, wenn man bei jedem möglichen Regierungswechsel Gesetze nach der Methode rein-raus entweder erlässt oder wieder aufhebt. Das tut unserem Rechtsstaat nicht gut. Im Übrigen glaube ich, dass auch hier die reale Entwicklung Fakten schaffen wird, die man vernünftigerweise nicht mehr verändern will.

Die Konstruktion des Nationalpark-Rats mit einem Übergewicht der kommunalen gegenüber den staatlichen Vertretern ist einmalig in Deutschland. Was versprechen Sie sich von diesem Aufbau?
GOLL: Die Konstruktion stammt ja nicht von mir. Entscheidungsgremium ist der Nationalpark-Rat, der Beirat kann nur raten. Die Konstruktion eines Quasi-Übergewichts der kommunalen Seite im Rat war wohl der Überlegung geschuldet, dass die kommunale Ebene die Situation vor Ort besser beurteilen kann als ein Ministerium und auch die Bürger besser mitnehmen kann. Das ist ja vernünftig.

Weshalb stehen Sie so fest hinter dem Projekt? Hätte nicht auch ein Biosphärenreservat oder "Nationalpark light", wie von CDU-Fraktionschef Peter Hauk gefordert, gereicht?
GOLL: Mein Engagement für den Nationalpark kommt aus der Erfahrung, dass die Menschen Sehnsucht haben nach unberührter Natur. Sie fliegen Tausende von Kilometern, um diese irgendwo auf dem Erdball zu erleben- was ökologisch nicht besonders toll ist. Warum soll unberührte Natur nicht auch bei uns in einer Landschaft möglich sein, die bereits jetzt über Bannwälder Keimzellen eines Nationalparks birgt?

Werden Sie es schaffen, Gegner unter den Bürgern für die Park-Idee zu gewinnen?
GOLL: Viele sagen: Machen wir das Beste daraus. Das ist auch gut so. Es geht nämlich nicht nur darum, in einer Kernzone die Natur sich so entwickeln zu lassen, wie sie es will - sondern auch darum, den Tourismus im Nordschwarzwald zu stärken. Kommunen, Gewerbetreibende und das Land müssen da zusammenarbeiten. Mehr Tourismus nutzt auch den Bürgern. Es gilt, Nahverkehrskonzepte zu entwickeln, damit auch der Durchreisende aus Holland, Schweden oder Dänemark leicht zum Park kommt, wie auch der aus Karlsruhe und Stuttgart, und eine Situation vorfindet, die ihm rundum ein schönes Erlebnis ermöglicht. Schließlich sollte auch der Effekt eintreten, dass ausblutende Dörfer wieder aufblühen.

Wie stellen Sie sich die Arbeit des Beirats vor?
GOLL: In den nächsten fünf Jahren ist im so genannten Managementplan zu entwickeln, was wo und wie im Park geschehen soll. Im Beirat sind verschiedene Interessen vertreten. Die müssen zusammengeführt werden. Dann können wir einen guten Beitrag zur Entwicklung des Parks leisten.

Ein Schwachpunkt des Nationalparks ist, dass er zweigeteilt ist. Lässt sich das ändern?
GOLL: Die jetzige Zweiteilung des Parks ist sicher gewöhnungsbedürftig. Man wird darauf achten müssen, dass der nördliche Teil eine vergleichbare Attraktivität erfährt wie der südliche. Die Lücke dazwischen ist nicht so groß, dass sie nicht irgendwann geschlossen werden könnte, wenn die Attraktivität des Parks die jetzigen Eigentümer der Flächen überzeugt.

Vielseitiger Jurist