Südwest-Polizei Nachwuchs dringend nötig

Biberach / Alfred Wiedemann 04.09.2018

Der Beruf ist spannend, man hat Kontakt mit Menschen. Und es ist ein sicherer Arbeitsplatz.“ Überlegt habe sie sich auch Architektur, sagt Theresa Madlener. Entschieden hat sich die 21-Jährige aus Bad Schussenried aber für die Polizei. Auch Michael Ochs aus Bad Saulgau ist unter den 200 Neuen, die gestern in Biberach eine Polizeiausbildung begonnen haben. „Das war mein größter Wunsch“ sagt der 21-Jährige. Seine Eltern sind auch bei der Polizei, sie hätten sich riesig gefreut über seine Berufswahl. Insgesamt sind es rund 700 Berufsanfänger im Land, verteilt auf die Standorte der Polizei-Hochschule in Lahr, Bruchsal, Böblingen und Wertheim. So viele wie seit 40 Jahren nicht mehr, so Innenminister Thomas Strobl (CDU).

30 Monate stehen jetzt Kurse und Praktika auf dem Stundenplan. Im Frühjahr ist ein weiterer Einstellungstermin im mittleren Dienst, außerdem beginnen im gehobenen Dienst die Anwärter im Juli. Die grün-schwarze Landesregierung hat eine Einstellungsoffensive ausgerufen. Dieses und nächstes Jahr sollen 1800 Ausbildungsplätze bereit stehen. Anders als die Vorgängerregierung schließe man keine Ausbildungsstandorte, sondern mache welche auf, teilte Strobl mit.

Die Polizei braucht Nachwuchs. Die Zahl der Pensionierungen sinkt erst ab 2024. Das Innenministerium rechnete das auf eine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Sascha Binder vor. 1500 zusätzliche Stellen hat Grün-Schwarz bis zum Ende der Legislaturperiode 2021 zugesagt, 900 davon im Polizeivollzugsdienst. Wegen der vielen Pensionierungen bleibt vorerst trotzdem nicht viel Verstärkung für Reviere und Streifendienst (siehe Info-Kasten). 2021 dürften nur 230 Polizisten mehr im Dienst sein als 2016. Aus Personalnot drohen sogar zeitweise nicht besetzte Reviere.

Schuld sei nicht die grün-rote Vorgängerregierung, widerspricht Binder dem CDU-Innenminister. „Es war die schwarz-gelbe Regierung, die in Kenntnis der großen Pensionierungswelle 1000 Polizeistellen abgebaut hat.“ Das mache sich jetzt bitter bemerkbar.

Jetzt werden die Ausbildungskapazitäten jedenfalls schnell ausgebaut: 5,9 Millionen Euro  werden am Biberacher Polizeischulstandort investiert, etwas mehr in Lahr. Wertheim und Böblingen kommen neu hinzu, in Herrenberg wird für 30 Millionen noch umgebaut. 600 Ausbildungsplätze zusätzlich sind es jetzt, 300 in Wertheim, je 150 in Biberach und Lahr. „Das war ein Kraftakt, da waren alle bis zum Anschlag gefordert“, sagt Jürgen Hirschle, Projektleiter und Vizepräsident der Hochschule der Polizei. Innenministerium, Finanzministerium und Amt für Vermögen und Bau hätten gut zusammengearbeitet, die Baufirma gute Arbeit abgeliefert.

Schnelle Arbeit abgeliefert

Die Unterkünfte entstehen in Modulbauweise. Mitte April begonnen, war letzte Woche Übergabe der 39 Doppelzimmer im ersten Bauabschnitt. „Nur die Fassade fehlt noch“, sagt Wilmuth Lindenthal vom Vermögens- und Bauamt Ulm. Bis November soll der zweite Abschnitt fertig sein.

Für zusätzliche Schüler werden auch zusätzliche Lehrer gebraucht. Etwa 100 sind es, insgesamt dann 270. „Die Dienststellen, die Ausbilder abstellen, werden bei der Personalzuteilung bevorzugt“, sagt Hirschle. Vor dem Verteilen muss das zusätzliche Personal aber jetzt erst mal ausgebildet werden.

Zahlen zu den Polizeibeamten im Südwesten
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel