Viele Male hat eine Mutter in der Nacht zum 19. Oktober 2014 im Auto auf ihre elfjährige Tochter eingestochen. Das Kind starb. Zudem attackierte die 36-Jährige ihren zweijährigen Sohn in dem Wagen, der in einer A-8-Unterführung bei Ulm abgestellt war. Der Junge erlitt lebensgefährliche Verletzungen, konnte aber gerettet werden. Die Frau aus dem Kreis Göppingen gestand die Tat, sie befindet sich seither in einer psychiatrischen Klinik.

Gestern hat die Staatsanwaltschaft Ulm Anklage wegen Totschlags und versuchten Totschlags erhoben. Sie vermutet, dass die Frau ihre Kinder im Rahmen eines erweiterten Suizids töten wollte, so ein Sprecher. Die Mutter habe angenommen, dass ihre Kinder tot sind, und habe auch ihrem Leben ein Ende setzen wollen. Wie ernst es ihr damit war, ist sei noch nicht ganz klar. Es könne sich auch um eine Schutzbehauptung handeln.

Der Gutachter geht davon aus, dass die Frau bei der Tat an Wahnvorstellungen litt. Sie habe sich von der ganzen Welt verfolgt gefühlt, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Aus Sicht der Frau sei das Leben für sie selbst und damit auch für ihre Kinder nicht mehr lebenswert gewesen und "musste deshalb beendet werden".

Die Frau soll an einer depressiven Erkrankung gelitten haben. Sie hatte mit Mann und Kindern in der Schweiz gelebt. Die Probleme spitzten sich zu, als ihr Mann wegen eines Deliktes in Haft kam. Sie zog zurück in ihre Heimatgemeinde im Filstal. Mit der räumlichen Trennung hätten nach Einschätzung des Gutachters die Depressionen zugenommen, ein Mitgrund für ihre Wahnvorstellungen.

Vorläufig geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass die Beschuldigte vermindert schuldfähig war. "Neben einer Bestrafung wegen Totschlags und versuchten Totschlags strebt die Anklagebehörde auch die Unterbringung der geständigen und nicht vorbestraften 36-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus an." Die Verhandlung wird wohl im Juni stattfinden.