Schwäbisch Hall Museumsdorf wird Drehort für einen Film über Hitler-Attentäter Georg Elser

Regisseur Oliver Hirschbiegel in Wackershofen: Szenen für einen Kinofilm über Georg Elser, der 1939 Hitler mit einer Bombe hatte töten wollen.
Regisseur Oliver Hirschbiegel in Wackershofen: Szenen für einen Kinofilm über Georg Elser, der 1939 Hitler mit einer Bombe hatte töten wollen. © Foto: Marc Weigert
Schwäbisch Hall / DAVID OLIVER BETZ 15.07.2014
Georg Elser hätte die Geschichte verändern können: Sein Attentat auf Adolf Hitler ist nur knapp gescheitert. Nun wird ein Film über ihn gedreht, zum Teil in Schwäbisch Hall. Regie führt Oliver Hirschbiegel.

"38 zwo die erste", ruft ein Assistent. "Action", schreit Star-Regisseur Oliver Hirschbiegel. Dann stapft der Schauspieler Christian Friedel den steilen Schotterweg zum Käshof im Museumsdorf Wackershofen hinauf, hinter sich einen Handwagen mit Koffern. Er geht an einem Kartoffelfeld vorbei, Frauen, die ernten, schauen ihm neugierig nach. "Stopp, nochmal", ruft der Regisseur. Alles wird für das Auge des Laien noch einmal ganz genauso gemacht. "Nice one, nehmen wir", ruft Hirschbiegel. Hallywood. Nächste Szene.

Hier entsteht ein Kinofilm über Georg Elser aus Königsbronn. Der Schreiner von der Ostalb hatte am 13. November 1939 mit einer Bombe versucht, Adolf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller zu töten. Um acht Minuten nur verpasste er es, der Weltgeschichte einen anderen Verlauf zu geben. 1945, kurz vor Kriegsende, wurde Elser im KZ in Dachau ermordet.

Der Film, der mit einem Millionenbudget (fünf bis zehn) gedreht wird, soll im April in die Kinos kommen. Der Käshof, historisches Gebäude des Museums in Schwäbisch Hall-Wackershofen, wird dann als Kulisse auftauchen. Neun der 39 Drehtage hat die 60-köpfige Filmcrew in Hall verbracht.

Museumsleiter Michael Happe musste entscheiden, ob der Film überhaupt im Käshof gedreht werden darf. Während des Nazi-Terrors fanden dort drei Menschen Unterschlupf. Wären sie entdeckt worden, wären auch die Hofbesitzer hingerichtet worden. "Deshalb ist das hier ein sensibler Ort. Aber für ein Projekt, das von Georg Elser handelt, konnte ich natürlich zustimmen. Das passt auch zur Geschichte des Hofes", sagt Happe.

Nun müsse er eben darauf achten, dass die Filmcrew nichts beschädige und das Museum wieder so verlasse, wie sie es vorgefunden hat. "Aber bisher läuft die Zusammenarbeit sehr gut", sagt Happe.

Klar: Einige Schotterwege müssen hernach ausgebessert werden, weil so ein Filmset schwere Transporter benötigt, die Technik und auch Menschen hin und her befördern. Im Käshof wurden Wände eingezogen, damit Dramaturgie und die Räume übereinstimmen. "Das wird aber hinterher alles wieder so aussehen wie davor."

Mit etwas Glück konnte man in Hall die Darsteller treffen. Katharina Schüttler und Christian Friedel spielen die Hauptrollen. Schüttler kennt man vor allem aus dem dreiteiligen Fernsehfilm "Unsere Väter, unsere Mütter" und in der Rolle der Ehefrau Marcel Reich-Ranickis aus dem Kinofilm "Mein Leben - Marcel Reich-Ranicki", wo sie neben Mathias Schweighöfer spielte.

Christian Friedel hat in "Das weiße Band" und "Russendisko" mitgespielt und dürfte mit seiner Elser-Rolle den nächsten Schritt in seiner Karriere machen. Für ihn sei der Film eine besondere Herausforderung. "Sich einer real existierenden Figur zu nähern, ist etwas anderes, als wenn das rein fiktiv wäre. Die Kunst ist es, der Figur noch ein paar Geheimnisse zu lassen. Wir werden wahrscheinlich nie erfahren, was Elser zu diesem Schritt bewegt hat. Und genau das macht ihn ja so spannend: Dass wir das im Film nicht zeigen können", sagt der Schauspieler. Das Ergebnis gibt es ab Ende April 2015 in den Kinos zu sehen - vielleicht sogar international.

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