Kommentar Murawski-Abgang: Der Stabilisator wird fehlen

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Stuttgart / Roland Muschel 25.07.2018

Mit Klaus-Peter Murawski verliert Ministerpräsident Winfried Kretschmann seinen wichtigsten Mitarbeiter und Grün-Schwarz einen zentralen Stabilitätsfaktor. Als Chef der Staatskanzlei spielte der 68-Jährige schon formal eine starke Rolle. Tatsächlich kann Murawskis Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden. So stark wie der grüne Verwaltungsprofi dürfte noch keiner seiner Vorgänger im Amt ins operative Geschäft eingegriffen haben.

Kretschmann hat dem alten Weggefährten bedingungslos vertraut, Murawski verlässlich die Strippen gezogen, um widerstreitende Interessen zwischen den Koalitionspartnern, aber auch zwischen Regierungszentrale und grüner Parteibasis, auszutarieren. Geholfen haben dabei seine guten Drähte in die CDU und sein ausgeprägter Pragmatismus.

Die Personalie bedeutet nicht zwangsläufig den Anfang vom Ende der Koalition. Aber sie stärkt die Fliehkräfte auf beiden Seiten. Ohne den grünen CDU-Versteher wird der Regierungsalltag von noch mehr Störgeräuschen begleitet werden. Das sind, noch vor der Mitte der Legislaturperiode, keine berauschenden Aussichten für die politischen Garanten des Bündnisses, für Kretschmann und seinen CDU-Vize Thomas Strobl.

Murawski geht auf ärztlichen Rat in Pension. Es ist auch kein Geheimnis, dass er sich als früherer Krankenhausbürgermeister durch kritische Fragen zum Stuttgarter Klinikskandal in ein schiefes Licht gerückt sah. Dabei ging es in keiner Weise um mögliche strafrechtliche Verfehlungen, sondern um widersprüchliche Angaben. Ausgerechnet beim Krisenmanagement in eigener Sache hat der Problemlöser keine gute Figur gemacht.

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