Urteil Mord an Seniorin: 27-Jähriger muss lebenslang in Haft

Heilbronn / Hans Georg Frank 28.02.2017
Für den Mord an einer Rentnerin muss ein 27-Jähriger lebenslang in Haft. Ein religiöses Motiv sieht das Heilbronner Landgericht nicht – trotz arabischer Schriftzeichen am Tatort.

Als Roland Kleinschroth, Vorsitzender Richter am Landgericht Heilbronn, das Urteil „Lebenslänglich“ begründet hatte, meldete sich der Angeklagte noch einmal zu Wort: „Ich möchte die Todesstrafe.“ 75 Minuten lang hatte der Richter die Entscheidung der Strafkammer ausführlich begründet und dabei den Mord an der Rentnerin Maria M. (70) detailliert geschildert. „Selten hat ein Verfahren die Menschen in der Region und darüber hinaus so bewegt“, blickte er zurück. Nicht nur das Verbrechen selber, auch das Verhalten des Angeklagten rügte er mit deutlichen Worten: „Was Sie gemacht haben, ist auf sittlich tiefster Stufe und in höchstem Maße verachtenswert.“

Im Urteil wurde die „besondere Schwere der Schuld“ festgehalten. Damit wird eine Entlassung nach 15 Jahren erschwert.

Die  Frau, ein Zufallsopfer, war im Mai 2016 in ihrem Bett umgebracht worden. Der Mörder war auf nicht genau bekannte Weise nachts in das Wohnhaus in Untergriesheim, einem Stadtteil von Bad Friedrichshall bei Heilbronn, eingedrungen. Nach Aussage der medizinischen Sachverständigen war die arg- und wehrlose Frau erstickt, weil ein Telefonkabel um ihren Hals geschlungen worden war. Mit einem Schal und einer Bordüre war diese Attacke noch verstärkt worden. Blutergüsse an Armen und Händen des Opfers deuteten auf einen Abwehrkampf hin. Mit einem Gegenstand, vermutlich einem Telefonhörer, oder mit der Faust sei mehrfach auf den Kopf eingeschlagen worden, wodurch intensive Blutungen entstanden seien. In den gefesselten Händen steckte ein zehn Zentimeter langes Kreuz. Der Ehemann, der in einem anderen Zimmer schlief, hatte nichts bemerkt.

Am Kleiderschrank fanden die Ermittler arabische Schriftzeichen, aus denen ein Gutachter auf eine „verwirrte religiöse Identität“ schloss. Bei dem Gekritzel in roter Schrift ging es um „Seine Exzellenz Hoheit Ali“, den Schwiegersohn Mohammeds. Der Täter hinterließ auch in englischer Schrift die Parole „It‘s payback time“, es ist Zeit zum Zurückzahlen.

Die Staatsanwälte gingen davon aus, dass die Frau aus religiösen Gründen sterben musste. Doch das Gericht kam nach neun Verhandlungstagen zu dem Ergebnis, dass der konfessionelle Aspekt nur inszeniert worden sei, um den Verdacht auf Schiiten – der Angeklagte ist Sunnit aus Pakistan – zu lenken und die Polizei in die Irre zu führen. Tatsächlich sei es dem Täter nur darum gegangen, nach längerer Arbeitslosigkeit Geld und Wertsachen zu erbeuten – „um jeden Preis“.

Der Angeklagte bestritt bis zuletzt seine Schuld, er fühlte sich als Opfer eines Komplotts von andersgläubigen Landsleuten, denen er im Gerichtssaal mit Mord drohte.  Doch die Indizien belasteten ihn schwer. Seinen genetischen Fingerabdruck hinterließ er auf einem Schal, mit dem er die Rentnerin gefesselt hatte, an einem Telefonkabel, mit dem er sie erdrosselt hatte und an dem Kreuz in ihren Händen. Sein Handy war mehrfach in der Nähe des Tatortes eingeloggt. Bei ihm fand die Polizei außerdem die Beute – Schmuck, Geld und Handy – die er in einem Beutel beim Heilbronner Hauptbahnhof gefunden haben wollte.

Im Prozess ließ der Angeklagte keinerlei Reue erkennen, lieber fiel er durch weitschweifige, teilweise irre Erklärungen und respektlose Besserwisserei auf. Auf heftige Kritik stieß beim Gericht sein Verhalten gegenüber den Angehörigen des Opfers. Möglicherweise habe er sich sogar daran „ergötzt“, das Leid der Familie zu vergrößern: „Sie haben jegliche Grenze des Anstands und der Menschlichkeit überschritten.“ Ein psychiatrischer Gutachter hatte den 27-Jährigen als voll schuldfähig eingestuft.

Falsche Fakten und Hetze gegen Flüchtlinge

Das Verbrechen von Untergriesheim wird im Internet heiß diskutiert – und auch von fremdenfeindlichen Kreisen instrumentalisiert. In sozialen Netzwerken und einschlägigen Blogs finden sich hasserfüllte Kommentare über den Heilbronner Prozess. Die Seite „Politically incorrect“ schreibt, „dass mit der Asylflutungen durch die Kanzlerin in großem Maße der soziale Abschaum der Dritten Welt nach Deutschland gekommen ist“.

In Berichten über den ohnehin schon grausamen Fall werden auch Lügen verbreitet, um ihn zusätzlich zu skandalisieren. So behauptet der anonyme Autor, die arabischen Wörter seien „mit dem Blut des Opfers“ geschrieben worden. Tatsächlich wurde ein Filzstift der Marke Edding benutzt. PI berichtet auch wahrheitswidrig, die Frau sei „mit einer Eisenstange mit Schlägen auf den Kopf brutal erschlagen“ worden. hgf