Kirche 600 Jahre Konzil: Mit „Oswald“ ins Finale

Konstanz / Petra Walheim 03.01.2018
Konstanz feiert seit 2014 das Jubiläum „600 Jahre Konzil“. 2018 ist das „Jahr der Kultur“ mit Minnesänger Oswald von Wolkenstein.

Oswald von Wolkenstein? Wer soll das sein? Das fragen sich zu Beginn des „Jahres der Kultur“ in Konstanz vermutlich einige. Am Ende des Jahres werden sie es wissen. Denn der Ritter und Minnesänger, Komponist und Diplomat ist der Hauptprotagonist des letzten von fünf Jubiläumsjahren. Seit 2014 feiert Konstanz mit jährlich wechselnden Themen „600 Jahre Konzil“. Nach König Sigismund, der das Konzil 1414 initiiert hat, Jan Hus, der dort verbrannt wurde, der Imperia, die die Männer erfreute, und Martin V., der zum neuen Papst gewählt wurde, beendet Oswald von Wolkenstein den Reigen der Persönlichkeiten, die den Kirchenkongress geprägt haben.

Der europäische Gedanke und Austausch hat bisher wie ein roter Faden Themen und Veranstaltungen durchzogen. Das bleibt 2018 so, und auch dafür steht Oswald von Wolkenstein. Er ist im Februar 1415 in diplomatischer Mission an den Bodensee gekommen und in den Dienst von König Sigismund getreten. Der hat ihn nach England, Frankreich und Portugal geschickt. Die musikalischen Einflüsse dieser Länder finden sich in Wolkensteins Liedern wieder. Das sprachliche Wirrwarr in Konstanz während des Konzils, als tausende von Menschen aus aller Herren Länder am See miteinander lebten, hat Wolkenstein zu Dichtungen inspiriert.

Rap trifft Klassik

Die werden zum Thema der Ausstellung „(w)ortverliebt in Konstanz – Studierende versinnlichen Oswald von Wolkenstein“. Die Ausstellung läuft von Anfang März bis April im Turm am Kulturzentrum. Zu sehen gibt es Bilder, die aus der Sprache in Oswalds Liedern entstanden sind, und künstlerische Installationen, die von seiner Poesie inspiriert wurden.

Beim Literaturfestival „Minne meets Poetry“ vom 7. bis 11. März können Konstanzerinnen und Konstanzer, Besucher und Gäste selbst aktiv werden und ihre eigenen oder die Texte von toten oder noch lebenden Dichtern zum Besten geben. Poetry Slamer begeben sich mit europäischer Lyrik aus sechs Jahrhunderten in einen fünftägigen sprachlichen Wettstreit, bei dem jeder Tag unter einem anderen Motto steht. Am letzten Tag ist ein „Tonwechsel“ angesagt. Da treffen Rapper Curse und Geiger Miki Kekenj auf die Südwestdeutsche Philharmonie, Rap trifft Klassik.

Ein  kirchlicher Höhepunkt wird der ökumenische Gottesdienst am 22. April sein. Er findet aus Anlass der Schluss-Sitzung der Konstanzer Konzil-Versammlung am 22. April 1418 statt.

„La Juive“, die Oper im Stadtraum, greift ein bis heute aktuelles Thema auf: den Konflikt ­zwischen Juden und Christen. Es ist eine Art Wander-Oper, die im Innenhof des Kulturzentrums am Münster beginnt, in der ehemaligen Stiftskirche St. Johann fort­gesetzt wird und in der Lutherkirche ihr Ende findet. Die Ortswechsel werden in die Insze­nierung eingebunden, Konstanz wird zur Kulisse und zum Klang­raum.

Kulturtransfer während des Konzils

Mitte Januar erscheint der Flyer zum „Jahr der Kultur“ in Konstanz. Er ist voll gepackt mit Konzerten, Festivals, Ausstellungen, Aufführungen und Projekten.

Das letzte der fünf Jubiläums-Jahre „600 Jahre Konstanzer Konzil“ legt den Fokus auf den europäischen Kulturtransfer. Die vielen Menschen, die von 1414 bis 1418 am See waren, haben ihre Kultur mitgebracht. Sie haben aber auch einiges aus Konstanz mitgenommen und in die Welt hinausgetragen.

Ziel des Konstanzer Konzils war, die Kirche zu einen. Zu der Zeit gab es drei Päpste und viel Streit. Mit der Wahl von Martin V. am 11. November 1417 war die Einheit der Kirche wieder hergestellt.

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