Baustart Millionenprojekt: Elektrifizierung der Südbahn offiziell gestartet

Am Nachmittag gaben im oberschwäbischen Niederbiegen  Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, der Minister für Verkehr des Landes Baden-Württemberg Winfried Hermann und DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Interessenverbandes Südbahn, Landrat Lothar Wölfle, und dem Baienfurter Bürgermeister Günter A. Binder den Startschuss für die Elektrifizierung der Südbahn.
Am Nachmittag gaben im oberschwäbischen Niederbiegen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, der Minister für Verkehr des Landes Baden-Württemberg Winfried Hermann und DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Interessenverbandes Südbahn, Landrat Lothar Wölfle, und dem Baienfurter Bürgermeister Günter A. Binder den Startschuss für die Elektrifizierung der Südbahn. © Foto: Copyright Deutsche Bahn AG
Baienfurt-Niederbiegen / Alfred Wiedemann 23.03.2018
Nach Jahrzehnten des Wartens, wurde das Millionenprojekt Elektrifizierung der Südbahn offiziell gestartet.

Ende 2021 soll die zweigleisige Hauptstrecke von Ulm an den Bodensee elektrifiziert sein. Beim Festakt beim künftigen Umspannwerk bei Baienfurt-Niederbiegen im Kreis Ravensburg war die Polit-Prominenzdichte hoch. DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla begrüßte den neuen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Für die Bahn sei es ein "Tag der Elektromobilität", sagte Pofalla: 330 Kilometer Strecke kommen elektrisch hinzu, wenn die Südbahn von Ulm nach Friedrichshafen und Lindau und die Allgäubahn von Geltendorf nach Lindau umgebaut sind.

Ein historischer Tag

Hermann durfte sich von Pofalla und auch von Scheuer Lob anhören: Erst durch die Zusage des Landes von 2015, sich mit bis zu 112 Millionen Euro zu beteiligen, sei die Südbahn-Elektrifizierung möglich geworden, sagte Pofalla. Da mussten auch die oberschwäbischen CDU-Vertreter klatschen. Und für die Prominenz gab es Geschenkkörbe mit Plüschziege, Ziegenmilch und Ziegenkäse - Reminiszenz an den armen Ziegenbock im Lied "Auf dr schwäbische Eisenbahne". "Das ist schon ein historischer Tag", sagte Minister Hermann, "und das sage ich selten". Nachdem es unter seinen Vorgängern zwar zig Anläufe zur Modernisierung der Strecke gegeben hat, habe erst die Finanzzusage des Landes den Durchbruch gebracht.

"Die Südschiene hat funktioniert bei Südbahn und Allgäubahn." Tadel für die jahrelangen Verzögerungen gab es von Hermann nur am Rande: Der Bund sei selbst dann noch störrisch gewesen mit seinen Zusagen, als das Land schon mit Millionen "gewedelt" habe. "Wir danken heute, dass der Bund jetzt dabei ist", sagte Hermann. "Wir mussten aber auch viel dafür tun, man muss schon auch erwähnen, dass die Finanzierung eigentlich die Aufgabe des Bundes ist." Die Südbahn vom Bodensee nach Ulm ist eine der ältesten Eisenbahnstrecken im Südwesten: 1850 eröffnet und vor gut 100 Jahren zweigleisig ausgebaut, kommt sie jetzt unter Strom: Bis Dezember 2021 werden die rund 125 Kilometer von Ulm über Biberach, Ravensburg bis Friedrichshafen und die Bodenseegürtelbahn weiter nach Lindau abschnittsweise elektrifiziert. 4000 Masten werden nach Bahnangaben gesetzt, Oberleitungen installiert, Gleise abgesenkt, Stützmauern und Brücken gebaut, Übergänge angepasst. Oberschwaben wartet seit den 1980er Jahren auf den Ausbau. Lange Zeit gab es nur Ankündigungen. Bis 2006 Kommunen, Kreise und Regionalverband im Interessenverband Südbahn aktiv wurden und 1,4 Millionen Euro einsammelten, damit die Planung endlich in die Gänge kommt. 2009 zog die Landesregierung mit und übernahm die Millionenkosten für die weitere Planung. Dann, 2015 die Zusage des Landes zur Übernahme von maximal 112,5 Millionen Euro Baukosten. Das half.

15 Wochen Ersatzverkehr

Seit Ende Oktober 2015 hat die Südbahn Baurecht. Geplant wurde der Ausbau in fünf Abschnitten, aufgeteilt auf Ulm/Alb-Donau-Kreis, Biberach, Ravensburg, Bodenseekreis und Lindau.Aktuell geht die Bahn von Kosten in Höhe von 230 Millionen Euro für den Ausbau aus. Erster Bauabschnitt ist von Ulm bis Laupheim-West (Kreis Biberach). Vorarbeiten für Kabeltief- und Leitungsbau wie Rodungen und Gehölzrückschnitte an der Strecke sind schon gelaufen. Für die Hauptbauarbeiten, also die Oberleitungen, neue Stützwände und eine neue Brücke in Ulm-Donautal, ist dieser Streckenabschnitt vom 10. September bis 21. Dezember 2018 komplett gesperrt. Pendler und andere Fahrgäste müssen sich 15 Wochen lang auf einen Ersatzverkehr mit Bussen einrichten. Im Abschnitt Laupheim-West wird dieses Jahr auch schon gebaut: Rodungsarbeiten und Kabeltiefbau, heißt es bei der Bahn. Gebaut wird in vier Abschnitten, von Aulendorf nach Friedrichshafen und weiter nach Lindau sind 2018 noch keine Arbeiten vorgesehen. Ende 2021 soll es dann vorbei sein mit dem "Dieselloch" im wirtschaftsstarken Oberschwaben, dann sollen E-Loks fahren können. Die rund zehn Minuten Zeitersparnis durch das künftig mögliche Tempo 160 statt 140 sind nicht so wichtig. Es geht vor allem um die Direktverbindungen Richtung Stuttgart und bessere Verbindungen im Stundentakt: In den neuen Tiefbahnhof Stuttgart dürfen keine Dieselzüge. Die E-Loks auf der Südbahn machen umsteigefreie Verbindungen aus Oberschwaben möglich. Zusammen mit der Schnellbahnstrecke Wendlingen - Ulm sollen Messe und Flughafen Echterdingen aus Richtung Bodensee viel besser angeschlossen werden. Auch in Richtung München wird die Bodenseeregion besser angeschlossen: Die Allgäubahn von der bayerischen Landeshauptstadt nach Lindau, die auch Leutkirch, Kißlegg und Wangen in Baden-Württemberg anschließt, wird ebenfalls elektrifiziert.

Bisher ist am S-Bahnhof Geltendorf Schluss mit E-Zügen. Ende 2020 sollen dann schnelle E-Neigetechnikzüge die Fahrzeit zwischen München und Zürich um eine Stunde auf dreieinhalb verkürzen. In Memmingen wurden gestern auch hier der offizielle Baubeginn gefeiert. Besonderheit hier: Die Schweiz ist am Ausbau beteiligt. Dem Nachbarland ist die bessere Bahnanbindung von Zürich Richtung München so wichtig, dass es einen 50-Millionen-Kredit zu den Baukosten beisteuert, damit bis Ende 2020 die schnellen Züge rollen können. Kosten für den Ausbau: 440 Millionen Euro, den neuen Durchgangsbahnhof für Lindau in Reutin noch gar nicht mitgerechnet.

Streckensperrungen und eingeschränkter Betrieb auf der Südbahn

10. September bis 21. Dezember: Ulm – Laupheim-West Vollsperrung mit Schienenersatzverkehr 2019

11. März bis 16. Mai: eingleisiger Betrieb zwischen Laupheim und Biberach11. März bis 15. Juli: Biberach – Aulendorf Vollsperrung mit Schienenersatzverkehr 16. September bis 3. November: Ulm- Laupheim-West Vollsperrung mit Schienenersatzverkehr19. September bis 14. Dezember: Friedrichshafen – Lindau Vollsperrung mit Schienenersatzverkehr4. November bis 9. Dezember: Biberach – Aulendorf Vollsperrung mit Schieneneresatzverkehr Streckensperrungen mit Schienenersatzverkehr 2018auf der Allgäubahn:23. März bis 10. September: Buchloe – Mindelheim – Memmingen – Leutkirch 23. März bis 10. September: Türkheim – Bad Wörishofen25. Mai bis 28. Mai Hergatz – Lindau11. Juni bis 2. Juli Geltendorf – Buchloe3. August bis 6. August Hergatz – Lindau10. September bis 15. Oktober Mindelheim – Sontheim2. November bis 5. November Bahnhof Kißlegg9. November bis 12. November Hergatz - Lindau

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