Stuttgart/Baiersbronn Mehrheit für Nationalpark Nordschwarzwald

Greenpeace-Aktivisten vor dem Landtag. Nach der Demonstration ging es auf Wanderung nach Baiersbronn, um für den Nationalpark zu werben. Foto: dpa
Greenpeace-Aktivisten vor dem Landtag. Nach der Demonstration ging es auf Wanderung nach Baiersbronn, um für den Nationalpark zu werben. Foto: dpa
Stuttgart/Baiersbronn / LSW 11.09.2012
Umweltschutzgruppen wollen Bewegung in die Debatte um den Nationalpark Nordschwarzwald bringen. Nach einer Greenpeace-Umfrage sind 65 Prozent der Baden-Württemberger für so ein Schutzgebiet.

Mit 50 gelben Baumbannern haben Greenpeace-Aktivisten vor dem Stuttgarter Landtag für einen Nationalpark im Nordschwarzwald demonstriert. Nach einer Umfrage des Forsa-Instituts sprechen sich 65 Prozent der befragten Baden-Württemberger für einen Nationalpark aus. "Ein großer natürlicher Wald fehlt in Baden-Württemberg. Dabei ist das der Wunsch der Bevölkerung", sagte Greenpeace-Waldexperte Luis Scheuermann.

Am Mittag machte sich die Gruppe zu einem siebentägigen Marsch in den Schwarzwald auf. Unterwegs wollen sie in Vaihingen, Böblingen, Herrenberg, Nagold, Pfalzgrafenweiler und Freudenstadt Station machen und für das Schutzgebiet trommeln. Am kommenden Sonntag soll dann in Baiersbronn (Kreis Freudenstadt) ein Holzschild mit der Aufschrift "Herzlich Willkommen Nationalpark Schwarzwald" aufgestellt werden.

"Mit unserem Fußmarsch wollen wir uns dem Thema sanft annähern", sagte Scheuermann. "Auch die Politik soll nichts überstürzen, aber ihre Pläne zügig vorantreiben." Es gehe nicht darum, die Betroffenen im Schwarzwald zu überrumpeln, sondern gemeinsam mit ihnen ein Konzept zu entwickeln. Dafür müssten jedoch auch die Gegner bereit sein für den Dialog.

Für die Umfrage hatte Forsa Ende August rund 1000 Menschen im Südwesten angerufen. Neben dem Votum für den Nationalpark sprachen sich 42 Prozent auch allgemein für mehr Naturschutzgebiete aus. Der Südwesten ist neben Rheinland-Pfalz das einzige Flächenbundesland ohne Nationalpark.

Das Landwirtschaftsministerium setzt beim umstrittenen Thema auf totale Transparenz und verzeichnet erste Erfolge. "Die Diskussion hat sich versachlicht", stellt Charly Ebel vom Naturschutzzentrum Ruhestein (NAZ) fest. 17 000 Hektar Staatswald zwischen Bad Wildbad und Freudenstadt sind zum "Suchgebiet" erklärt worden. Derzeit trügen 160 Teilnehmer in sieben Arbeitskreisen alle Informationen zum Für und Wider eines Nationalparks im Nordschwarzwald zusammen. Spätestens Anfang 2013 soll ein Gutachten vorliegen, auf dessen Grundlage über die Einrichtung des Nationalparks entschieden wird.

Auf einer vom Landwirtschaftsministerium eingerichteten Plattform können Bürger Fragen stellen oder sich zu dem Thema äußern. Auch die seit Mai geöffnete Hotline werde gut genutzt. "Die Bürger beteiligen sich auf den verschiedensten Ebenen", sagte Ebel. 2011 hatte das Ministerium rund 120 000 Anrainer angeschrieben und aus den Antworten rund 1600 Fragen zu dem Projekt herausgefiltert. Sie wollen nach und nach alle beantwortet werden.

Im Nordschwarzwald erhitzen die Nationalpark-Pläne weiter die Gemüter. 800 Gegner haben sich im Verein "Unser Nordschwarzwald" zusammengetan. Sie fürchten den Borkenkäfer, Einschränkungen im Tourismus und Schaden für die Holzindustrie. Mit Aufklebern, Unterschriften und Plakaten machen sie mobil. 80 000 Aufkleber, 70 000 Flyer und über 200 "wetterfeste Transparente" habe man schon unter die Leute gebracht, sagt Vereinssprecher Andreas Fischer.Auf eine "Materialschlacht" wolle man sich nicht einlassen, sagt Christina Schneider von der Initiative "Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald" in Baiersbronn (Kreis Freudenstadt). "Man kann ja nicht alles mit Plakaten zupflastern." Schneider und die 350 Mitglieder des Vereins erhoffen sich durch den Nationalpark mehr Natur und Artenvielfalt sowie ein Gewinn der Marke "Schwarzwald".