Stuttgart Mehrheit der Lehrer nutzt digitale Medien

Stuttgart / MARLENE MÜLLER 15.11.2014
Digitale Medien stoßen bei Lehrern auf unterschiedliche Resonanz: Die Mehrheit verspricht sich davon höhere Akzeptanz ihres Unterrichts. Ein Teil befürchtet, dass dadurch der Medienkonsum gefördert wird.

Neun von zehn Lehrern verwenden gelegentlich oder häufig digitale Medien wie Tablet-Computer oder Beamer im Unterricht. Das ist das Ergebnis einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa. Für Gerhard Brand, den Landesvorsitzenden des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), ist es ein Beleg dafür, dass die Lehrer diesen Methoden gegenüber aufgeschlossen sind - entgegen gängigen Vorurteilen und trotz mangelhafter Ausstattung an den Schulen. Für die repräsentative Studie wurden rund 750 Lehrer in Deutschland befragt, davon 150 in Baden-Württemberg.

Demnach verfügen zwei Drittel der Schulen im Land über einen schnellen Internetzugang. Und von den 90 Prozent der Lehrer, die digitale Geräte einsetzen, gehen die meisten mit ihren Schülern dann auch online: insgesamt 81 Prozent.

Den größten Vorteil sehen die Lehrer in der Akzeptanz: 35 Prozent sind der Meinung, dass die Schüler den Unterricht mit digitalen Medien ansprechend finden. 30 Prozent halten den Einsatz schlicht für zeitgemäß und 27 Prozent schätzen die Vorteile der bildlichen Vermittlung von Inhalten.

Es gibt aber auch Vorbehalte unter der Lehrerschaft. Rund 20 Prozent fürchten, durch die neuen Methoden würden traditionelle Arbeitsweisen vernachlässigt und der Medienkonsum gefördert. 14 Prozent sehen nicht funktionierende Geräte und andere Probleme mit der Technik als Nachteil an. Der VBE fordert deshalb, dass die technische Betreuung an den Schulen besser werden muss.

Außerdem kritisiert der Verband die mangelhafte Ausstattung mit Hard- und Software. An manchen Schulen haben sogar die Lehrer keinen Zugang zu einem Computer. Der VBE sieht es als Ziel, dass im Unterricht auch Tablet-Computer zum Einsatz kommen. Dafür müsse nicht jede Klasse einen Satz solcher Geräte besitzen, sagt Brand. Aber an jeder Schule sollte es so viele geben, dass die Lehrer sie einsetzen können, ohne es Wochen im Voraus anmelden zu müssen. Momentan gibt es im Land nur an 10 Prozent der Schulen Tablet-Computer.

Ein sehr großes Manko sieht Brand in puncto Datenschutz. Denn laut Umfrage haben 40 Prozent aller Lehrer keine geschützte dienstliche E-Mail-Adresse. Die Mehrheit hat auch keinen Zugang zu einer Online-Plattform, über die sich Hausaufgaben, Stundenpläne und Ähnliches austauschen lassen. In diesen Fällen läuft die Kommunikation mit Schülern und Eltern über private Internetdienste. An manchen Schulen hat nicht einmal der Rektor eine dienstliche E-Mail. Dabei fragen Ämter und Ministerien regelmäßig Daten ab, die es zu schützen gilt. Brand sieht darin eine "Ermunterung" für die Schüler, fahrlässig mit Daten umzugehen. Dabei sei die Schule gerade hier in der Pflicht: "Es gibt keine andere Möglichkeit, die Kinder auf diese Gefahrenquellen vorzubereiten."

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel