Mannheim Mehr Straftaten in Nordbaden

WOLF GOLDSCHMITT 22.03.2016
Die Kriminalität in Baden-Württemberg nimmt zu. Besonders deutlich ist im vergangenen Jahr die Hetze der Rechtsextremen angestiegen.

Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat im vergangenen Jahr mehr als 25.000 Verfahren gegen unbekannte Täter eingeleitet. Mit einem Plus von über zehn Prozent nehmen der Stadtbezirk Mannheim sowie die Städte Weinheim und Schwetzingen eine unrühmliche Spitzenstellung in Baden-Württemberg ein. Auch die Anzahl der Verfahren gegen bekannte Tatverdächtige stieg um gut 15 Prozent an. Besonders deutlich war die Steigerung von politisch motivierten Straftaten um rund 63 Prozent. Oberstaatsanwalt Andreas Grossmann sagte, dass es sich dabei in erster Linie um rechte Hetze handle.

Die Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz hätten sich ebenfalls verdoppelt, seien aber mehrheitlich wegen Geringfügigkeit eingestellt worden; Flüchtlinge, die zum Beispiel an deutschen Bahnhöfen ankommen, hätten noch keine Chance, von einer Behörde erfasst zu werden. Es handelte sich hier eher um "Formalverstöße".

Körperverletzungsdelikte und Diebstähle nahmen ebenfalls um mehrere Prozente zu. Hier schlagen vor allem "einfache Diebstähle" zu Buche. Dieser Anstieg von Straftaten hänge mit den über 10.000 Flüchtlingen in der Metropolregion zusammen, denn "natürlich werden auch unter Flüchtlingen Straftaten begangen", sagt der Oberstaatsanwalt. Diese Vergehen seien nicht zuletzt der großen Stresssituation von jungen Männern in Asylbewerberunterkünften geschuldet, so die Erklärung der Staatsanwaltschaft.

Auf der anderen Seite sei ein "extremer Anstieg des Bandendiebstahls" aktenkundig. Im Jahr 2015 sind 200 Verfahren bearbeitet worden, ein Jahr davor waren es noch 70 gewesen. Die Täter waren hauptsächlich EU-Bürger aus Osteuropa sowie Asylbewerber aus "Nicht-Kriegsgebieten".

Weil die Hintermänner häufig im Ausland sitzen, ist die Aufklärungsrate niedrig. Mehr als 70 Prozent aller Verfahren des vergangenen Jahres wurden eingestellt - wegen Geringfügigkeit oder ungenügendem Anlass für eine Klage. Nur 20 Prozent der insgesamt über 37.000 landeten letztlich vor dem Richter.