Stuttgart Mehr Inklusion mit Lehrern freier Schulen

Stuttgart / BETTINA WIESELMANN 05.02.2016
Unter Dach und Fach: Sonderpädagogen freier Schulen können jetzt doch zum inklusiven Unterricht an öffentlichen Schulen eingesetzt werden.

Das Kultusministerium und die Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen Baden-Württemberg (AGFS) haben gestern eine Rahmenvereinbarung für den Einsatz von Lehrern zum Zwecke inklusiver Bildungsangebote geschlossen. Dabei geht es um eine Nachbesserung des im Juli 2015 geänderten Schulgesetzes, das Eltern behinderter Kinder das Recht einräumt, diese auch in einer Regelschule beschulen zu lassen. Nach der Rahmenvereinbarung ist es auch möglich, Sonderpädagogen, die an einem nichtstaatlichen, freien Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ, früher Sonderschule) tätig sind, an öffentlichen Schulen einzusetzen.

"Damit stärken wir die Zusammenarbeit von öffentlichen und freien Schulen", erklärte Manfred Stehle, Amtschef im Kultusministerium. Die auf diese Weise möglichen zusätzlichen inklusiven Bildungsangebote an öffentlichen Schulen vergütet das Land: Die freien Träger bekommen die Personalkosten ersetzt plus einen pauschalen Zuschlag von 15 Prozent des Erstattungsbetrags.

Von Seiten der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen heißt es, das "Kooperationsverbot" hätte nicht nur die Arbeit der Freien Schulen (darunter kirchliche Schulen und Waldorfschulen) behindert, "sondern auch die Inklusion an staatlichen Schulen massiv erschwert."

Mit 155 von landesweit 422 SBBZ stellen die freien Träger mehr als ein Drittel aller sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren. Je nach Förderschwerpunkt können es bis zu 80 Prozent sein. Für die AGFS hat das Inklusionsgesetz aber weiterhin "einen bitteren Beigeschmack": Werden Kinder inklusiv an Regelschulen freier Träger beschult, dann zahlt das Land zwar die zusätzlichen Kosten für den sonderpädagogischen Förderbedarf sowie einen Sachkostenzuschuss. Im Gegensatz zu den nicht behinderten Kindern können die anfallenden regulären Unterrichtskosten für diese Schüler aber nicht mit dem Land verrechnet werden.