Wegen Zerstörung der Innenstadt am 4. Dezember 1944 haben Heilbronner ein besonderes Verhältnis zu Grünflächen, vermutet Baubürgermeister Wilfried Hajek (CDU). „Grün war Balsam für die Seele, weil es als erstes sichtbar wurde“, blickte er in die Zeit der Trümmer zurück. Heute ist Heilbronn mit 50 000 Bäumen eine der grünsten Großstädte des Landes. 414 Hektar sind Parks, dazu kommen 123 Spielplätze und 1200 Hektar Stadtwald.

Dennoch machte der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau in Heilbronn als einziger Stadt in Baden-Württemberg Station bei einer fast republikweiten „Road Show“. In zwölf Orten wird ein „Pop-up-Park“ als Oase für einen Tag errichtet. Dabei gehe es nicht vorrangig um Aufträge, sagen die Organisatoren. Vielmehr soll im Gespräch mit den Bürgern verdeutlicht werden, „welche wichtigen Funktionen von Grünanlagen ausgehen“.

„Für eine erfolgreiche Stadtentwicklung sind Grünflächen enorm wichtig“, sagte Reiner Bierig, Geschäftsführer des Landesverbands. Sie gewännen immer mehr Bedeutung als Standortfaktoren: „Große Firmen bekommen nur Führungskräfte, wenn es für deren Familie eine grüne Infrastruktur gibt.“

Als „sehr schwierig“ schätzte Bierig die Situation in Stuttgart ein. Im Europaviertel neben dem Hauptbahnhof gebe es wenig nachhaltiges Grün: „Da wird alles zugebaut.“ Im Wettbewerb zwischen Bauen und Erholung  werde übersehen, dass Grünflächen einen ökonomischen Wert hätten. „Wo sich keiner mehr wohlfühlt, kann man den Wohnraum nicht mehr verkaufen“, prophezeite Bierig. Er kann auf eine Umfrage verweisen, wonach drei von vier Bundesbürgern die Wahl des Wohnortes abhängig machen von natürlichen Ruhezonen.

Wegen der Überschwemmungen der letzten Tage bekam die Werbetour eine aktuelle Brisanz. Mit mehr Grünflächen, begrünten Dächern und intelligenter Regenwasserbewirtschaftung könne Wasser in den Kreislauf zurückgeführt werden, ohne große Schäden zu verursachen, sagte Erhard Schollenberger, Vize-Chef des Landesverbandes.

Auf die „Wohlfahrtswirkung des Stadtgrüns“ setzt auch die Landesregierung. Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU)  vom Agrarministerium rief zur Übernahme von Patenschaften für Grünflächen auf und zum „urban gardening“, dem Anpflanzen von Blumen und Gemüse auf freien Flächen.