Stuttgart / DPA

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) will beim geplanten Ausbau der Medizinstudienplätze den Bereich Allgemeinmedizin stärken. „Der Aufwuchs der Studienplätze darf sich daher nicht nur in Zahlen ausdrücken. Es muss auch eine qualitative Weiterentwicklung des Medizinstudiums erfolgen“, sagte Bauer am Freitag in Stuttgart anlässlich einer Fachtagung. Die grün-schwarze Koalition plant 150 neue Studienplätze, um dem drohenden Medizinermangel vor allem im ländlichen Raum zu begegnen.

Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) sagte: „Die neuen Medizinstudienplätze sind ein wichtiger Baustein in unserer Planung, den Nachwuchs für unsere Hausärzte zu gewinnen.“ Die alternde Gesellschaft benötige mehr Ärzte, gerade für die ambulante Gesundheitsversorgung auf dem Land.

CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart sagte, während auf dem Land schon jetzt Hausärzte fehlten, seien einzelne Städte überversorgt. „Hier sehe ich politischen Handlungsbedarf. Ich bleibe dabei: Wir brauchen eine Landarztquote von zehn Prozent bei der Medizinstudienplatz-Vergabe, um einen Anreiz dafür zu setzen, dass sich angehende Ärzte auch tatsächlich im ländlichen Raum niederlassen.“ Eine solche Verpflichtung sei jungen Menschen bei der Studienwahl durchaus zuzumuten. Auch Medizinstudierende der Bundeswehr verpflichteten sich auf Jahre hinaus. „Deshalb erhöhen wir ja auch die Ausbildungskapazitäten um zusätzliche zehn Prozent.“

Unterdessen forderte der neue Präsident der Landesärztekammer, Wolfgang Miller eine Universitätsklinik in Stuttgart. In der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“ erklärte er: „Wir haben das Klinikum Stuttgart, das fast alle Einrichtungen besitzt, um den Medizinernachwuchs auszubilden. Es braucht eigentlich nur ein neues Schild am Eingang mit der Aufschrift Universitätsklinik, ein paar Hörsäle und jemanden, der den Studienbetrieb organisiert.“ Auch Forschung gehöre dazu.

Miller sprach von einer „großen Chance“ für die Medizin im Südwesten. „Wenn das Land ohnehin mehr Medizinstudienplätze einrichten will, wozu es offensichtlich eine gewisse Bereitschaft gibt, dann sollte Stuttgart berücksichtigt werden.“ Die fünf bestehenden medizinischen Fakultäten bewerben sich gemeinsam um die zusätzlichen Plätze. Auch die großen städtischen Kliniken in Stuttgart und Karlsruhe haben Interesse signalisiert und wollen Uniklinik werden.

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