Serie Matthias Baumann ist als Arzt und Sportler weltweit unterwegs

MADELEINE WEGNER 13.08.2016
Am Mount Everest, beim „Ironman“ auf Hawaii und als Arzt bei Olympia: Der Tübinger Matthias Baumann ist Bergsteiger, Arzt, Sportler und Reisender aus Leidenschaft.

Als Expeditionsarzt und Höhenmediziner am Mount Everest, als Notarzt in den Bergen Österreichs und als freiwilliger Helfer nach dem Erdbeben in Nepal war Baumann schon im Einsatz. Zurzeit ist er als einer von 15 Mannschaftsärzten der 450 deutschen Athleten bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Auch als Sportler war Baumann selbst schon viel unterwegs. Reisender, Arzt, Bergsteiger, Hochleistungssportler – auf den 45-jährigen Tübinger trifft all das zu.

„Menschen und Natur haben mich schon als Kind fasziniert“, sagt Baumann. Als Kind habe er zuhause den Globus gedreht und dabei von fernen Ländern geträumt. Ein Buch hat ihn besonders nachhaltig geprägt: Als Zwölfjähriger hat er auf dem Weg in die Ferien nach Südtirol Reinhold Messners Buch „Die Freiheit, aufzubrechen, wohin ich will“ gelesen. „Dieser Gedanke der Freiheit hat sich in meinem Hinterkopf festgesetzt“, sagt Baumann.

Auch sind es die Berge, die Baumann faszinieren und begeistern. Schon sein Vater war Bergsteiger.  „Er kannte die Gefahr und wollte zunächst nicht, dass ich in seine Fußstapfen trete“, sagt Baumann. Erst mit 18 Jahren habe er seinen ersten Kletterkurs gemacht, „das waren nur die Alpen“, sagt er heute. Seither war er mehrmals auf dem Montblanc. 2009 hat er mit dem Cho Oyu in Tibet seinen ersten 8000er-Berg bestiegen.

„Das Gute ist: Berge stehen immer da, wo es schön ist“, sagt Baumann. Sein Kindheitstraum war es, den Mount Everest zu erklimmen. 2011 wagte er – als begleitender Expeditionsarzt und Höhenmediziner – den ersten Versuch. Doch 200 Meter unterhalb des Gipfels stellte sich heraus: Die zweite Sauerstoffflasche war leer, die Träger hatten versehentlich die falsche Flasche mitgenommen.

Drei Jahre später war Baumann im Basislager am Mount Everest, um einen zweiten Anlauf zu nehmen. Doch dann kam es zum Unglück – eine Lawine aus Schnee, Eis und Geröll begrub 16 Menschen unter sich. Von seinem Zelt aus sah er die Lawine. Der Arzt leistete Soforthilfe und brach wie alle anderen Bergsteiger vor Ort sein Vorhaben, den Everest zu erklimmen, ab. Wieder daheim, begann Baumann stattdessen, Spenden für die Familien der verunglückten Sherpas zu sammeln. Als im vergangenen Jahr ein Erdbeben die Region verwüstete, reiste der Chirurg erneut nach Nepal, um in einem kleinen Bergkrankenhaus bei der Versorgung der Verletzten zu helfen. Außerdem sammelte er weiter Spenden. Von dem Geld lässt er in Nepal nun drei Schulen und ein Krankenhaus bauen (siehe Infokasten).

„In mir steckt ein Vagabund  – mit schwäbischer Bodenständigkeit“, sagt Baumann schmunzelnd. So gern und so oft er auf Reisen ist: Es zieht ihn immer wieder gern zurück nach Tübingen.   Auf seinen Reisen nach Asien, Afrika,  Nord- und Südamerika hat er einige Aussteiger getroffen. Als eigenen Lebensentwurf habe er sich das jedoch nie vorstellen können: „Ich glaube, es gibt nur eine Heimat im Leben.“

Schon während seines Medizinstudiums in Tübingen war er immer wieder unterwegs. Ein Studienjahr hat Baumann im südfranzösischen Montpellier verbracht. Und die für das Studium notwendigen Praktika hat er im Ausland absolviert – in Südafrika und in der Notaufnahme eines Krankenhauses in der New Yorker Bronx. Nach dem Physikum legte er ein Urlaubssemester ein, um ein halbes Jahr lang um die Welt zu reisen – mit dem Fahrrad. Denn: „Das Rad bietet die beste Geschwindigkeit zum Reisen.“ Zugleich nutzte Baumann die Reise gemeinsam mit seiner damaligen Lebensgefährtin, um für den Ironman-Triathlon zu trainieren.  „Zusammen mit meinem Vater hatten wir den Ironman im Fernsehen gesehen. Wir waren  völlig fasziniert und wollten dort mitmachen, aber keiner traute sich, das auszusprechen“, erinnert sich Baumann. Heimlich begann jeder für sich, für den Triathlon zu trainieren. Schließlich machten alle drei – Vater, Sohn und Freundin – erfolgreich beim „Ironman Europe“ im bayrischen Roth mit. Doch Matthias Baumann wollte weiter zum Ironman nach Hawaii. Auf der Weltreise nutzte er deshalb zusätzlich zum Radfahren jede Gelegenheit zum Laufen und Schwimmen. 2010 war es soweit: Mit der Startnummer 1185 trat Baumann beim Ironman in Hawaii an – und erreichte nach gut zwölf Stunden das Ziel. „Ich habe bei diesem Wettkampf nicht gelitten, ich habe nur genossen“, sagt er.

Hochleistungssport hat Baumann schon als Jugendlicher betrieben und war unter anderem Württembergischer Meister im Ringen. Außerdem hat er bei der Patrouille de Glacier in der Schweiz mitgemacht, dem größten Rennen im Skibergsteigen weltweit. So ist es vielleicht kaum verwunderlich, dass auch die Olympischen Spiele einen magischen Reiz auf ihn ausüben. „Das hat mich schon als Kind tief begeistert. Da wollte ich immer hin als Sportler“, sagt er. Drei Olympiaden hat er bisher bereits als Zuschauer miterlebt. Nun ist er – als Mannschaftsarzt der Radfahrer –  tatsächlich selbst in Rio dabei. Besonders freut er sich über die Begegnungen dort. „Das olympische Dorf und das Basislager am Mount Everest haben etwas gemeinsam: Es sind die beiden Orte, an denen die meisten Menschen aus der ganzen Welt auf kleinem Raum versammelt sind.“

Fernweh verspürt Baumann regelmäßig.  „Das heißt, es tut nicht weh“, sagt er, „es ist das Interesse, wieder aufzubrechen.“ Ob Hubschrauber oder großes Passagierflugzeug: „Auf Flughäfen fühle ich mich immer wohl und ich fliege gern. Wenn es geht, habe ich immer einen Fensterplatz.“ Denn auch vom Flugzeug aus kann man die Welt von oben anschauen. „Das ist wie bei den 8000ern – da ist man auch über den Wolken“, sagt er. Am liebsten würde Baumann auch noch selbst fliegen lernen, fügt aber hinzu: „Man kann ja  nicht alles.“

Spenden für Nepal

Biografisches  Der Tübinger Arzt  Matthias Baumann ist Ausdauersportler durch und durch, der zertifizierte Hochtourenführer war schon auf dem Himalaya-Riesen Cho Oyu (8201 Meter) und hat auch den Ironman-Triathlon in Hawaii absolviert. An freien Wochenenden fliegt er Einsätze als Notarzt im alpinen Rettungshubschrauber.

Hilfe Um den Familien verunglückter Sherpas zu helfen und auch den Opfern des Erdbebenkatastrophe 2015, arbeitet Baumann mit der gemeinnützigen Nepal-Hilfe Biberach zusammen. Der Verein finanziert in Nepal Schulen und den Ausbau der Trinkwasserversorgung. Spendenkonto: Himalayan Project e.V., Kreissparkasse Biberach, IBAN DE45 6545 0070 0007 0581 89. Baumann gründete auch die Sherpa-Nepalhilfe. Informationen dazu auch auf seiner Homepage: www.faszination-everest.de

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