Eine Sache will Marian Schreier auf jeden Fall noch machen: seine Führerscheinprüfung. Denn morgen tritt der junge SPD-Politiker sein Amt als Bürgermeister in der kleinen Stadt Tengen im Kreis Konstanz an. "Die Gemeinde hat neun Teilorte. Ohne Auto geht das nicht", sagt Schreier. Und schon gar nicht will er als "Jungspund" ohne Fahrerlaubnis dastehen.

Zumindest bei seiner Wahl sei Schreier der jüngste hauptamtliche Bürgermeister Deutschlands gewesen, sagt ein Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebunds. Im brandenburgischen Ort Forst übernahm Anfang Mai der ebenfalls 25-jährige Philipp Wesemann (SPD) die Amtsgeschäfte. 2014 wurde in Haßmersheim im Neckar-Odenwald-Kreis Michael Salomo gewählt, auch SPD, 25 Jahre alt. Wer nun aktuell der jüngste Bürgermeister sei, sei bei 11.500 Kommunen nicht so einfach zu überblicken, sagte der Sprecher.

Sein Alter sei im Wahlkampf wenig thematisiert worden, sagt Schreier. "Das Auftreten ist wichtiger." Um von den Tengenern ernst genommen zu werden, machte er sich bis ins Detail vertraut mit den wichtigen Themen im Ort und arbeitete ein Programm für Tengen aus. Mit Erfolg: Schreier holte in der 4500- Einwohner-Gemeinde mehr als 70 Prozent der Stimmen, wie die Stadt mitteilte.

Noch besser war nur sein Vorgänger im Amt: der parteilose Helmut Groß, der nach mehr als vier Jahrzehnten in den Ruhestand geht, war bei seinem Amtsantritt ebenfalls 25. "Damals gab es vier Bewerber, und ich habe 90 Prozent der Stimmen bekommen", sagte Groß bei der Wahl Schreiers im März. Nun setze er viel Hoffnung in seinen Nachfolger.

"Wichtig ist der Wille und die Arbeit - vor allem, dass man versucht, die Bevölkerung mitzunehmen." Plant Schreier auch mehr als 40 Jahre im Amt? "Eher nicht", sagt der Politik- und Verwaltungswissenschaftler. Das habe er im Wahlkampf deutlich gemacht. Die erste Amtszeit will Schreier aber durchziehen. "Und prinzipiell ist auch eine Wiederwahl denkbar."