Massenschlägereien, ein Toter vor einer Polizeiwache, und jetzt liefert sich eine Männergruppe eine wilde Verfolgungsjagd mit Messerstecherei und Schüssen: Nach mehreren brutalen Gewalttaten in den vergangenen Monaten in Mannheim fragen sich jetzt viele: Was ist da los? Ist Baden-Württembergs drittgrößte Stadt ein unsicheres Pflaster - unsicherer als andere große Städte in Baden-Württemberg?

Der Mannheimer Polizeipräsident Thomas Köber winkt ab. "Ganz klar nein", sagt er. "Wir haben hier keine No-Go-Areas." Zuletzt habe in der Stadt sowohl die Zahl der Gewalttaten als auch die Straßenkriminalität abgenommen. Bei einer Auseinandersetzung mehrerer Männer im Alter zwischen 22 und 35 Jahren hatte es am Mittwochabend drei Verletzte gegeben, einer musste nach Messerstichen notoperiert werden. Der Streit begann vor einer Kneipe in der Innenstadt und entwickelte sich zu einer Verfolgungsjagd rund um den Marktplatz. Es fielen auch Schüsse.

Nach der Festnahme von sechs Verdächtigen prüft die Polizei, ob noch weitere Täter in die Messerstecherei und Schießerei verwickelt sind. Zeugen hätten von 12 bis 15 Beteiligten gesprochen. Es soll sich um einen Streit zwischen zwei unterschiedlichen Gruppierungen gehandelt haben. Von Banden wollte die Polizei nicht sprechen. Zum Motiv wurde noch nichts gesagt.

"Das ist nicht an der Tagesordnung", betont Köber. Es sei sehr untypisch für Mannheim, dass Waffen im Einsatz seien. Auch Mord und Totschlag gebe es in der Stadt mit ihren rund 300.000 Einwohnern selten. Auch Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) nimmt seine Stadt in Schutz. "Im Vergleich mit dem Bundesdurchschnitt ist Mannheim nicht gefährlicher als andere Städte", erklärt er. "Natürlich trägt die Tatsache, dass es in Mannheim in der letzten Zeit drei spektakuläre Fälle von Gewaltkriminalität gegeben hat, nicht dazu bei, dass sich das subjektive Sicherheitsgefühl verbessert."

Ein Sprecher der Mannheimer Staatsanwaltschaft pflichtet OB Kurz bei: "In letzter Zeit scheint sich das zu häufen, aber daraus würde ich nicht den Schluss ziehen, dass es in Mannheim gefährlicher ist als in anderen Städten."

Anfang September 2014 hatte eine Tat in Mannheim weit über die Grenzen der Stadt hinaus schockiert: Direkt vor einer Polizeiwache wurde ein 20-Jähriger erstochen. Der mutmaßliche Täter hatte Lohnforderungen an dessen Vater. Gegen den 22-Jährigen wurde vor vier Wochen Anklage wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung erhoben. Wann der Prozess beginnt, ist noch unklar.

Im Juni 2014 waren zwei Gruppen an einem Tag mehrmals aneinandergeraten, es kam zu Massenschlägereien. Elf Menschen wurden verletzt, einige davon schwer. Die Polizei konnte eine scharfe Waffe sicherstellen. Erst waren rund 20 Männer aufeinander losgegangen, dann attackierten sich bis zu 40 Menschen mit Fäusten, Hiebwaffen und vermutlich auch Reizgas.

Günter Troschka, Geschäftsführer der Deutschen Polizeigewerkschaft in Mannheim, verweist auch auf die Geschichte der Stadt im Vergleich etwa zur Nachbarstadt Heidelberg mit ihren vielen Akademikern. "Mannheim ist eine Arbeiterstadt. Wenn ich jetzt an Heidelberg denke, da ist einfach die Klientel etwas anders." In Mannheims Innenstadt und in der Neckarstadt träfen zudem viele unterschiedliche Nationen aufeinander - "das kann zu Spannungen führen".