Land am Rand Mannheim feiert freie Fahrt auf dem Rhein

Mannheim / Wolfgang Risch 13.10.2018

Die Preußen als Vordenker der europäischen Idee? Und die Bayern machen mit ihnen gemeinsame Sache, mehr oder weniger freiwillig? Nun ja, die Umstände waren eben anders vor eineinhalb Jahrhunderten, als kurz vor dem deutsch-französischen Krieg 1870-71, am 17. Oktober 1868, ein Grenzen überschreitendes Papier unterzeichnet wurde. „Sie ist das älteste, im Kern noch heute gültige europäische Vertragswerk“, teilt die Stadt anlässlich der Rückkehr der „Mannheimer Akte“ an ihren Ursprungsort mit.

Versuche im Westfälischen Frieden (1648) oder in der Schlussakte des Wiener Kongresses (1815) waren gescheitert. Es dauerte also, bis die freie Rheinschifffahrt Realität wurde. Das internationale Abkommen, welches Preußen,  zu dem das Rheinland gehörte, Bayern mit der Pfalz, Baden und Hessen mit den Niederlanden und Frankreich schlossen, besagt, dass der Rhein als internationales Gewässer für alle Anrainerstaaten frei befahrbar zu sein hat. Die „Mannheimer Akte“ wurde schließlich in die 1963 revidierte Rheinschifffahrtsakte integriert und seither in Straßburg aufbewahrt.

Marineblaue Blazer, dunkelgraue Hosen und die Wasserschutzpolizei in Uniform: Das Bild an den Mannheimer Rheinterrassen war dem Anlass angemessen, als die Akte in einem Polizeiboot anlandete. Wobei sich Bürgermeister Christian Specht zur Korrektur einer weit verbreiteten Ansicht veranlasst sah: „Mannheim liegt nicht an zwei Flüssen, sondern an einem Fluss und einem Strom“, sagte Specht. Als einzige Stadt im Südwesten.

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