Bei einer Messerattacke mitten in Heilbronn wurden drei junge Flüchtlinge verletzt. Ein 25 Jahre alter Iraker erlitt so schwere Blessuren, dass er ins Krankenhaus gebracht werden musste. Lebensgefahr bestehe jedoch nicht, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums. Ein 17-jähriger Afghane und ein 19-jähriger Syrer überstanden den Angriff mit leichteren Schnittwunden.

Nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei hatte ein 70-Jähriger am späten Samstagabend „ohne Vorwarnung“ ein größeres Messer gezogen und auf die Gruppe eingestochen. Der Tatverdächtige sei stark alkoholisiert gewesen, es handle sich um einen russischen Staatsbürger, der in Heilbronn wohne. Gegen ihn, der „bislang polizeilich noch nicht auffällig“ gewesen sei,  wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt – ein versuchtes Tötungsdelikt sehen die Ermittler nicht. Er ist wieder auf freiem Fuß. Das Motiv sei unklar, hieß es. Es ist aber Anlass von Spekulationen.

Denn der Schauplatz der Tat liegt vor der Kilianskirche neben dem Marktplatz. Ein Sprecher der Polizei konnte auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE nicht ausschließen, dass der Angriff dem Rauschgifthandel gegolten hat, der sich in Heilbronns Stadtmitte etabliert hat – und für anhaltenden Ärger sorgt. Die Polizei hat beobachtet, dass der Bereich in Rathausnähe zur „Kontaktszene für Drogen“ geworden ist. Verkauft werden Haschisch, Marihuana und synthetische Drogen, auch von Migranten. Dennoch sei die Kriminalitätsbelastung „nicht besorgniserregend“, verlautete aus dem Polizeipräsidium.

Seit sich vermehrt junge Flüchtlinge vor der Kilianskirche treffen, kommen in einer Vielzahl von Leserbriefen in Lokalzeitungen diffuse Ängste zum Ausdruck. Beklagt wird auch die dadurch entstandene mangelnde Attraktivität als Einkaufsstadt. Thomas Gauß, Vorsitzender der Händlervereinigung Stadtinitiative, sieht zwar keinen Grund zur Panik. Aber die „kleine Drogenszene auf dem Marktplatz“ müsse weg, forderte er.

OB Harry Mergel (SPD) appellierte nach der „abscheulichen Tat“ vom Samstag an einen „besonnenen, verantwortungsvollen und von Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft geprägten Umgang mit den Flüchtlingen“. Es gebe keinen Grund, „mit Angst in die Heilbronner Innenstadt zu gehen“.