Mannheim Mallorca statt Gefängnis

Ex-Flowtex-Chef Manfred Schmider muss wegen seiner Bankrott-Vergehen nicht ins Gefängnis. Er profitiert von der Überlastung der Justiz. Foto: dpa
Ex-Flowtex-Chef Manfred Schmider muss wegen seiner Bankrott-Vergehen nicht ins Gefängnis. Er profitiert von der Überlastung der Justiz. Foto: dpa
Mannheim / ULRICH WILLENBERG 24.01.2013
Manfred Schmider, Ex-Chef der Betrugsfirma Flowtex, ist mit einem blauen Auge davongekommen - mit einer Bewährungsstrafe. Es ging um Chagall-Bilder aus der Insolvenzmasse, die in der Schweiz gelandet sind.

Die kostbaren Bilder gehörten zu der Insolvenzmasse der zusammengebrochenen Skandalfirma Flowtex: Vier millionenteure Werke von Marc Chagall. 2005 wurden sie in die Schweiz gebracht. Eingefädelt hatte das Ex-Flowtex-Chef Manfred Schmider - während er in Freiburg eine langjährige Haftstrafe absaß. Ein ehemaliger Mithäftling organisierte den illegalen Transfer. Auch ein Luxus-Geländewagen aus der Insolvenzmasse verschwand 2006 in die Schweiz.

Gestern befand die Wirtschaftsstrafkammer des Mannheimer Landgerichts Schmider des zweifachen Bankrotts für schuldig. Er habe "aus der Haft heraus Straftaten begangen", sagte die Vorsitzende Richterin Ursula Charissé. Es sei aber "unwahrscheinlich", dass der 63-Jährige nochmals straffällig werde. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre.

Mit den Bildern im Wert von rund zwei Millionen Euro habe er seiner damaligen Ehefrau in der Schweiz eine Freunde machen wollen, sagte Schmider vor Gericht. Die Richterin äußerte jedoch Zweifel: Vielmehr könnten "materielle Gründe eine Rolle gespielt" haben.

Schmider war im Mai 2003 in Mannheim wegen vielfachen Betruges zu elfeinhalb Jahren verurteilt worden. Den strafrechtlich relevanten Schaden der betrügerischen Geschäfte mit nur auf dem Papier vorhandenen Bohrgeräten bezifferte das Gericht damals auf zwei Milliarden Euro. Im Herbst 2007 kam Schmider vorzeitig frei, die Reststrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt und später erlassen. Und das, obwohl die Mannheimer Staatsanwaltschaft bereits im Sommer 2007 Anklage wegen Bankrotts erhoben hatte. Eine "Liegezeit" von fünfeinhalb Jahren sei jenseits der Grenzen, beklagte Oberstaatsanwalt Andreas Grossmann. Hätte man Schmider "zeitnah verurteilt", wäre seine Reststrafe nicht zur Bewährung ausgesetzt worden, glaubt Grossmann. Und die neue Strafe wegen Bankrotts wäre deutlich höher ausgefallen. Eine lange Verfahrensdauer wirkt sich nach geltendem Recht strafmildernd aus.

Großmann sprach von einer "rechtsstaatswidrigen Verzögerung" des Verfahrens. Das verstoße gegen die Menschenrechtskonvention. Das Gericht sah dies genauso und erklärte deshalb vier Monate der Strafe für vollstreckt.

Die Vorsitzende Richterin beklagte die Überlastung der Mannheimer Wirtschaftsstrafkammern. Manche Taten drohten zu verjähren. "Man muss eine Auswahl treffen", sagte Charissé. Andere Fälle blieben liegen. Das Verfahren gegen Schmider habe keinen Vorrang gehabt, nur weil er prominent sei.

Der 63-Jährige kann nun wieder nach Mallorca zurück. "Er darf in Spanien leben. Wir müssen aber wissen, wo wir sie erreichen können", sagte die Richterin. Dort lebt Schmider angeblich in einer kleinen Wohnung zur Miete von knapp 300 Euro. Da er ohne Vermögen sei, werde er von seiner Familie unterstützt, behauptete Schmider. Von seiner Frau ist er schon lange geschieden - nach 24 Jahren Ehe. Um die Bilder streitet die Insolvenzverwaltung noch mit der früheren Ehefrau.

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