Messerattacke Mahnwache als Abschied und Dank

Blumen und Kerzen stehen zum Gedenken an der Arztpraxis.
Blumen und Kerzen stehen zum Gedenken an der Arztpraxis. © Foto: Benedikt Spether/dpa
Offenburg / Petra Walheim 22.08.2018

„Ich kenne keinen Flüchtling, der von ihm abgewiesen worden ist“, sagt Philipp Bürkel, Integrationsmanager aus Willstätt (Ortenaukreis). Als Dank für die Hilfsbereitschaft und als Ausdruck der Trauer um den getöteten Arzt hat er mit einer Kollegin für heute in Offenburg eine Mahnwache organisiert. Daran werden mindestens 50 Flüchtlinge teilnehmen, die von dem 51 Jahre alten Mediziner behandelt worden sind. Schwarz gekleidet und jeder mit einer weißen Rose werden sie schweigend durch die Stadt ziehen.

Der Arzt wurde vergangenen Donnerstag Opfer eines Messerangriffs. Ein 26-jähriger Flüchtling aus Somalia hatte morgens die Praxis betreten und mit einem Messer auf den Arzt eingestochen. Er erlitt tödliche Verletzungen. Eine Mitarbeiterin der Praxis wollte ihm zu Hilfe eilen und wurde leicht verletzt. Der tatverdächtige Somalier sitzt in Untersuchungshaft und schweigt. Sein Motiv ist nach Aussage von Miriam Kümmerle, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Offenburg, nach wie vor unklar.

Als Ende 2016 viele Flüchtlinge nach Offenburg gekommen seien, „war er einer der wenigen Ärzte, der die Flüchtlinge aufgenommen, seine Praxis für sie geöffnet hat“, sagt Bürkel. Er habe perfekt Englisch gesprochen und sich deshalb gut mit ihnen verständigen können.

Bürkel hat den Arzt vor zwei Jahren kennengelernt, weil er zu der Zeit noch in Offenburg tätig war und Flüchtlinge in die Praxis begleitet hatte. Um den Arzt und sein  Team nicht zu überfordern, sei vereinbart worden, dass pro Tag nicht mehr als etwa zehn Flüchtlinge in die Praxis kommen. Sie hätten Termine bekommen und seien gut behandelt worden. „Ich kenne keinen, der sich beschwert hätte.“ Den Arzt beschreibt er als Mann „mit einem großen Herzen“ und ganz viel Leidenschaft für seine Arbeit. „Er war mit Herz und Seele Arzt.“

Bürkel hat auch den Tatverdächtigen vor zwei Jahren kennen gelernt. Damals sei der noch sehr ruhig, zurückhaltend und gar nicht aggressiv gewesen, erinnert sich Bürkel. „Ich hätte ihm das nicht zugetraut.“ Unklar ist nach Auskunft von Bürkel neben dem Motiv auch, zu welchem Mediziner die Flüchtlinge nun gehen können.

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