Glosse Land am Rand: Lose, die die Welt bedeuten

Wieder nur „Nieten“ gezogen? Vielleicht entspringt ein Trost aus dem guten Gefühl, dass der Hersteller aus dem Südwesten kommt – ein wichtiger Beitrag für das Funktionieren unserer Zivilisation.
Wieder nur „Nieten“ gezogen? Vielleicht entspringt ein Trost aus dem guten Gefühl, dass der Hersteller aus dem Südwesten kommt – ein wichtiger Beitrag für das Funktionieren unserer Zivilisation. © Foto: Wolf & Appenzeller GmbH
Markgröningen / Roland Müller 15.02.2018
Lose, Bons und Eintrittsbändel: Ohne sie würde die Welt im Chaos versinken. Gut, dass der Marktführer aus dem Südwesten kommt.

Im Klischee-Ranking für unser schönes Bundesland kommen sie kurz nach der Kehrwoche: Die „hidden Champions“, also all die heimlichen Weltmarktführer, die irgendwo auf dem Land sitzen und die globale Wirtschaft am Laufen halten.

Im Gegensatz zur Kehrwoche, bei der ja immer mehr der Schlendrian einzieht, stimmt das mit den Champions wirklich. Ein ungewöhnlicher Vertreter kommt aus Markgröningen bei Ludwigsburg: „Wolf & Appenzeller“ nennt sich sogar „Marktführer im Glücklichmachen“. Und das, obwohl die Produktion bei Lichte betrachtet zum Großteil aus Nieten besteht: Mit Jahr­markt-­Losen fing einst in den 20ern alles an, heute fertigt man auch Eintrittsbändchen, Verzehrgutscheine und Patientenarmbänder.

Wir können zum Thema hier nur einen groben, hihi, Abriss geben. Aber wer das alles für einfältige Zettel-Wirtschaft hält, unterschätzt die zi­vi­li­sa­to­rische Bedeutung: Von den richtigen „Bändeln“ hängen schließlich Wohl, Wehe und Security jedes Groß-Events ab. Und viele Dorffeste würden ohne fälschungssichere Tombola in Tumulten enden. Jedes Jahr bekomme man Reklamationen von Vereinen, bei denen es multiple „Hauptgewinner“ gebe, verrät W&A-Geschäftsführerin Dagmar Keiser-Sachse. Dank eines cleveren Systems ließen sich Original und Fälschung aber leicht ermitteln – und vermeintliche Zweit-Gewinner würden plötzlich kleinlaut. Diese wenig beachtete Leistung für den Rechtsfrieden sei hiermit gewürdigt. Es ist eben doch alles eine Frage des guten Bons.