Mit großen Polizei- und Medienaufgebot ist gestern vor dem Oberlandesgericht München der Prozess gegen Beate Zschäpe gestartet. Dabei wird auch der Ku-Klux-Klan (KKK) eine Rolle spielen. Ein Ableger des rassistischen Geheimbundes existierte von 2000 bis 2003 in Schwäbisch Hall. Denn zwischen dem Nationalsozialistischen Untergrund und dem KKK entstehen Verbindungen: Zwei Kollegen der 2007 in Heilbronn getöteten Polizistin mischten unter den Kapuzen mit. Thomas R. alias "Corelli" warb für die Kapuzenträger neue Mitglieder, hatte aber auch Kontakte zum NSU.

Die Behörden hielten dies jahrelang unter Verschluss, machten ohnehin wegen einiger Ermittlungspannen eine schlechte Figur. Innenminister Reinhold Gall (SPD) ließ im März die Ermittlungsgruppe (EG) "Umfeld" gründen, die sich mit der Aufarbeitung der Kontakte und Geschehnisse im Südwesten befassen soll.

Auf erste Erfolge angesprochen, sagte Dieter Schneider, der Chef des Landeskriminalamts, am Samstag der Deutschen Presseagentur (dpa), in Schwäbisch Hall sei ein neuer Ku-Klux-Klan aktiv. Darauf sei die Ermittlungsgruppe bei "aktuellen Recherchen" gestoßen. Ein 45-Jähriger mit dem Klan-Namen "Didi White" führe den deutschen Ableger von einem Haller Teilort aus. Dem Klan gehörten "deutlich weniger als zehn Mitglieder an", sagte Schneider noch.

Viele Medien griffen das Thema am Wochenende auf - im Print, Radio und Fernsehen. Die Freude im LKA über das Medienecho war allerdings nur von kurzer Dauer. Gestern musste die Behörde zurückrudern. Denn bereits im Oktober 2012 hatten Haller Tagblatt und SÜDWEST PRESSE über Dietmar B. alias "Didi White" und seinen Klan-Ableger berichtet. Dem Haller Tagblatt waren zuvor Fotos und Urkunden zugespielt worden.

Innenminister Reinhold Gall (SPD) erklärte 2012 auf Nachfrage: "Die Personen sind uns bekannt und stehen unter Beobachtung." Der NSU-Untersuchungsausschuss in Berlin erfuhr erst durch die Berichterstattung im vergangenen Herbst von "Didi White". Das erklärte der FDP-Obmann Hartfried Wolff. Offenbar erreichten diese Information den Chef des Stuttgarter Landeskriminalamt erst Monate später.

Ermittlungsstand seit Oktober 2012 unverändert

Aus Behördenkreisen heißt es nun, dass sich am Ermittlungsstand gegen "Didi White" seit Oktober 2012 nichts geändert habe. Offiziell will sich keiner zu der Panne äußern. Das Landeskriminalamt teilte gestern nur mit, dass die Angaben über die KKK-Tätigkeiten, die Dieter Schneider geäußert hat, von "Didi White" stammten und nicht verifiziert seien. "Bislang konnten keine tatsächlichen Strukturen von Ku-Klux-Klan-Angehörigen in Schwäbisch Hall festgestellt werden." LKA-Chef Dieter Schneider sieht keine Fehler. Seine Behörde kenne die Berichte vom Herbst, bisher sei die Existenz von "Didi White" und seine Führungsrolle im KKK aber nicht bestätigt gewesen. "Wir konnten jetzt offen auf ihn zugehen und ihn befragen." Die Nachricht, es gebe einen neuen Klan-Ableger in Hall, sei daher berechtigt.