Die Bundestags-Linke fordert einen eigenen Untersuchungsausschuss zum Bahnprojekt S 21. Bundeschef Bernd Riexinger sagte gestern in Stuttgart, das Vorhaben und die damit verbundenen offenen Fragen seien ein Fall für solch ein Gremium. Eine Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Partei lege nahe, dass der Bund nichts mehr mit dem Vorhaben zu tun haben wolle, sagte Linken-Verkehrsexpertin Sabine Leidig. Vielmehr versuche er, den Umbau des Bahnhofes "dreist" als Landesprojekt zu deklarieren. Dennoch halte Schwarz-Rot an dem Prestige-Projekt fest.

Die Linken vermuten auch, dass die Politik auf das Eisenbahnbundesamt einwirke. Die Fraktion prognostiziert, dass ein neuer Bundesrechnungshofbericht zusätzliche Mehrkosten über die bekannten rund 1,5 Milliarden Euro hinaus aufdeckt. Die bislang nur der Bundesregierung übergebene Ergebnisse der Prüfung müssten nun auch dem Bundestag übergeben werden.

Beim Einsetzen eines Ausschusses sind die Linken auf die Grünen angewiesen. Deren bahnpolitischer Sprecher, der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel aus Filderstadt, sagte der SÜDWEST PRESSE: "Die Vorgänge um S 21 sind skandalös und müssen in den Ausschüssen weiter aufgearbeitet werden. Wir fordern, im Verkehrsausschuss einen Unterausschuss zu schaffen, der sich mit Kostenexplosionen und Planungsfehlern bei Großprojekten beschäftigt - wie bei S 21, aber auch beim Flughafen BER." Ein Untersuchungsausschuss sei dafür aber "nicht geeignet".

Die CDU wertete die Ankündigung der Linken als durchschaubaren Versuch, "Stuttgart 21 zu diskreditieren und zu skandalisieren".